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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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R  o  e  s  1  e  r.

das  Chodschend  am  Jaxartes  ist,  nachdem  dieser  Fluss  eben
so  benannt  war  und  wird,  wie  er  nach  der  Stadt  Schasch  (alte
Benennung  von  Taschkend)  der  Fluss  Schasch  genannt  worden
ist.  Darein  Zweifel  zu  setzen,  bestimmt  mich  aber  eine  Stelle
bei  Abulfeda,  der  in  einem  Citate  aus  dem  von  ihm  benützten
Werke  Resm-i  Mamür  den  Oxus  bei  Chodschend  vorüberfliessen
lässt.  Hier  steht  aber  Chodschend  durch  einen  Schreibfehler,
der  sich  wieder  sehr  leicht  erklärt,  für  Chodscheili  (Chodschaili),
  eine  Stadt  am  Oxus,  unweit  der  Gabelung  des  Flusses.
Leicht  konnte  der  cborasanische  Ungenannte,  der  in  seinen
Quellen  gefunden  hatte,  dass  der  Fluss(arm)  von  Chodschend
zum  Dschihün  fliesse  und  die  Bezeichnung  ,Fluss  von  Chodschend' ­
  dem  Jaxartes  zukommt,  diesen  für  einen  Nebenfluss
des  Oxus  gehalten  haben.
Allein  wie  dürfen  wir  dem  chorasanischen  Ungenannten
eine  so  flüchtige  und  sorglose  Behandlung  seines  geographischen
Materials  Zutrauen,  da  ein  ebenso  berühmter  als  verlässlicher
Kenner  der  orientalischen  Literatur  demselben  ausnehmendes
Lob  gespendet  hat.  Denn  so  lesen  wir  bei  einem  der  Vertreter
der  Aralaustrocknung  und  zwar  in  folgenden  Worten: 1  ,Nachdem ­
  Sir  Roderich  Murchison  es  seinerzeit  versucht  hat,  an
dem  Werthe  des  persischen  Anonymus  zu  mäkeln,  so  empfiehlt
es  sich  hier,  daran  zu  erinnern,  dass  ein  grosser  Theil  des  berühmten ­
  Werkes  von  Abdurrhazak  (übersetzt  und  commentirt  durch
Quatremere)  Wort  für  Wort  aus  dem  oberwähnten  Herater
Manuscript  abgeschrieben  ist.  Quatremere,  der  treffliche  Kenner,
macht  dazu  die  Bemerkung:  Dieses  Buch  ist  zweifelsohne  eines
der  merkwürdigsten  (curieux)  und  wahrhaftigsten  (veridiques),
die  in  einer  orientalischen  Sprache  geschrieben  worden  sind. 1
Ich  muss  gestehen,  diese  laute  Anerkennung  Quatremeres
hat  mich  sehr  betroffen  gemacht,  aber  zum  Glück  stieg  gar
bald  der  Zweifel  in  mir  auf,  ob  denn  Quatremere  solches  Lob
auch  wirklich  und  so  uneingeschränkt  und  bestimmt,  als  man
darnach  vermuthen  musste,  geäussert  habe  und  da  fand  ich  denn
gar  bald  einen  eigenthümlichen  Zusammenhang.  Ich  lernte  in

1  Ausland  187?,  S.  324.  Fr.  v.  Hellwald,  Die  Russen  in  Centralasien.
1873.  S.
            
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