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R o e s 1 e r.
Dass diese Nachricht. Herat, der Hauptstadt von Choräsän
gilt, wo Schahroch, Timurs gefeierter Sohn, Hof hielt, eine Stadt,
die eben damals, als der arme Baier hier Sclavendienste verrichtete,
die höchste Stufe des Glanzes erreicht hatte, wie das
Zeugniss Abd-er-razzaks beweist, ist keinem Zweifel unterworfen.
Aber ist nicht etwa auch das Horosaman der ersten
Nachricht als Chorasän zu deuten und Orden gleich horren,
herren und also für Herat zu nehmen? Es möchte so scheinen,
allein eine genauere Ueherlegung belehrt uns, dass man diese
Meinung ab weisen müsse. Wol hätte es bei dem vom Anfang
an und später durch Abschreiber entstellten Namen kein Bedenken,
in horosaman Chorasan und in Orden Horren Herat
zu suchen, aber das Orden Schiitbergers lag an einem grossen
Flusse oder Edil, wie ihn die Türken nennen, und das kann
man von dem in Bewässerungscanäle zertheilten, an und für
sieh nicht grossen Heri-rud oder Fluss von Herat nicht sagen.
Es ist also die bessernde Hand an den Namen Orden zu legen
und Orgen zu setzen. Orgen ist das Urgendsch der Uebrigen,
der Edil aber der Oxus, und Horosaman Chorasmia, wie man
ehedem sagte. 1
Bedarf es jedoch für Jemanden der Versicherung, dass
eine so kümmerliche Notiz über ein grosses Land gegen das
Vorhandensein eines grossen Sees oder Flusses oder Gebirges,
irgend etwas beweisen könne. Schiitberger gewährt uns gelegentlich
Nachrichten, die in Verbindung mit anderen sehr
schätzbar werden können; aus seinem Stillschweigen darf man
so wenig wie aus dem seiner aphoristischen Vorgänger weitgehende
Schlüsse ziehen. Wie dies selbst in Betreff von Reisenden,
die mit einem offeneren Auge und grösserer Wissbegierde
reisten, als ein armer Enappe, ein Commis voyageur oder
ein Predigermönch, von Gefahren begleitet sein kann, ersehen
wir übrigens an Polybios, an den ich hier erinnern will.
Polybios hat die Alpen bereist, um sie kennen zu lernen, 2 und
wenn er nach dieser Reise von den Seen spricht, sagt er, es
gehe in den Alpen drei grosse, den Benacus, Verbanus und
1 Für die frühere Zeit rühmt sie u. A. Edrisi bei Jaubert, S. 461.
2 Polyb. 2, 14.