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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Aralseefrage.

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dieser  ist  Geograph  von  Fach,  gelehrt  und  sorgfältig,  etwas
umständlich  und  trocken,  Ihn  Batuta  ein  Tourist  und  liebenswürdiger ­
  Plauderer.  Ihn  Batuta  hat  wie  Andere,  die  den  Üstjurt
  überstiegen,  den  See  von  Chowärezm  nicht  gesehen  und  wenn
er  in  Urgendsch  von  ihm  hörte,  auf  diese  Notiz  so  wenig  Werth
gelegt,  wie  auf  hundert  andere,  die  er  empfangen  mochte.
Dass  er  ihn  nicht  gesehen  hat,  erfahren  wir  aus  der  kurzen
Beschreibung,  die  er  von  seiner  Karawanenreise  nach  Urgendsch
gibt.  Er  reiste  von  Serai,  der  Hauptstadt  Kiptschaks,  nach
Seraitschilc  am  ,grossen  Wasser*  d.  i.  am  Jaik  und  von  da  in
30  Tagen  über  den  Üst-jurt,  den  er  auch  weder  nennt,  noch
wahrscheinlich  sehr  beachtet  hat,  wenn  er  etwa  auf  ihn  aufmerksam ­
  wurde.  Seine  Reise  nennt  er  eine  sehr  in  Eile  zurückgelegte, ­
  und  die  dreissig  Märsche  von  Seraitschik  nach  Alt-Urgendsch
  machen  sie  auch  zu  einer  der  kürzesten  die  möglich
sind.  Basiner  hat  auf  beinahe  derselben  Strecke  44  -.Tage  zugebracht. ­
  Aber  während  Batuta  den  Erlebnissen  seiner  Fahrt
eine  Seite  widmet,  hat  Basiner,  der  wissenschaftliche,  von  modernem ­
  Interesse  geleitete  Reisende,  hundert  daran  gewendet.
Aus  ihm  ersehen  wir  aber  auch,  wie  es  geschehen  kann,  dass
man  über  den  Üst-jurt  reist,  ohne  den  Aral  zu  erblicken,  und
man  begreift,  wie  ein  des  Türkischen  nicht  kundiger  Reisender,
von  seinem  Dasein  nicht  voraus  unterrichtet,  fast  hart  an  ihm
vorbeikommen  könnte,  ohne  ihn  zu  ahnen.  Der  gewöhnliche
Karawanenweg,  der  vom  Jaik  nach  Alt-Urgendsch  führt,  bleibt
ziemlich  weit  vom  Aral  fern;  auf  ihm  ist  Ibn  Batuta  wie
mancher  andere  Reisende  gezogen.  Basiner  zog  den  Weg  hart
am  See  hin  und  doch  sah  er  den  See  nur,  weil  er  ihn  sehen
wollte,  weil  ihn  die  wissenschaftliche  Begierde  darnach  antrieb,
vom  Wege  ab  an  ihn  heranzutreten.  ,Als  wir  uns  dem  Aralsee
bis  auf  einige  Werst  genähert  hatten,  schreibt  der  tüchtige
Forscher, 1  verkündete  uns  ein  dumpfes  Getöse  ,  ähnlich  dem
Rauschen  eines  vom  Winde  stark  bewegten  Waldes,  die  Nähe
des  Meeres;  aber  von  der  Wasserfläche  selbst  erblickten  wir,
da  sie  ungefähr  600  Fuss  tief  unter  der  Hochebene  liegt,  nur
einen  schmalen  blauen  Streifen  am  Horizonte,  der  so  fern

1  Beiträge  zur  Kenntniss  des  russischen  Reiches.  St.  Petersburg  1848.
Bd.  15,  S.  79.
Sitzuugsber.  d.  phil.-hist.  CI.  LXXIV.  Bd.  I.  Hft.  16
            
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