Die Aralseefrage.
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dieser ist Geograph von Fach, gelehrt und sorgfältig, etwas
umständlich und trocken, Ihn Batuta ein Tourist und liebenswürdiger
Plauderer. Ihn Batuta hat wie Andere, die den Üstjurt
überstiegen, den See von Chowärezm nicht gesehen und wenn
er in Urgendsch von ihm hörte, auf diese Notiz so wenig Werth
gelegt, wie auf hundert andere, die er empfangen mochte.
Dass er ihn nicht gesehen hat, erfahren wir aus der kurzen
Beschreibung, die er von seiner Karawanenreise nach Urgendsch
gibt. Er reiste von Serai, der Hauptstadt Kiptschaks, nach
Seraitschilc am ,grossen Wasser* d. i. am Jaik und von da in
30 Tagen über den Üst-jurt, den er auch weder nennt, noch
wahrscheinlich sehr beachtet hat, wenn er etwa auf ihn aufmerksam
wurde. Seine Reise nennt er eine sehr in Eile zurückgelegte,
und die dreissig Märsche von Seraitschik nach Alt-Urgendsch
machen sie auch zu einer der kürzesten die möglich
sind. Basiner hat auf beinahe derselben Strecke 44 -.Tage zugebracht.
Aber während Batuta den Erlebnissen seiner Fahrt
eine Seite widmet, hat Basiner, der wissenschaftliche, von modernem
Interesse geleitete Reisende, hundert daran gewendet.
Aus ihm ersehen wir aber auch, wie es geschehen kann, dass
man über den Üst-jurt reist, ohne den Aral zu erblicken, und
man begreift, wie ein des Türkischen nicht kundiger Reisender,
von seinem Dasein nicht voraus unterrichtet, fast hart an ihm
vorbeikommen könnte, ohne ihn zu ahnen. Der gewöhnliche
Karawanenweg, der vom Jaik nach Alt-Urgendsch führt, bleibt
ziemlich weit vom Aral fern; auf ihm ist Ibn Batuta wie
mancher andere Reisende gezogen. Basiner zog den Weg hart
am See hin und doch sah er den See nur, weil er ihn sehen
wollte, weil ihn die wissenschaftliche Begierde darnach antrieb,
vom Wege ab an ihn heranzutreten. ,Als wir uns dem Aralsee
bis auf einige Werst genähert hatten, schreibt der tüchtige
Forscher, 1 verkündete uns ein dumpfes Getöse , ähnlich dem
Rauschen eines vom Winde stark bewegten Waldes, die Nähe
des Meeres; aber von der Wasserfläche selbst erblickten wir,
da sie ungefähr 600 Fuss tief unter der Hochebene liegt, nur
einen schmalen blauen Streifen am Horizonte, der so fern
1 Beiträge zur Kenntniss des russischen Reiches. St. Petersburg 1848.
Bd. 15, S. 79.
Sitzuugsber. d. phil.-hist. CI. LXXIV. Bd. I. Hft. 16