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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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K  o  e  81  e  r.

weit  über  die  Stadt  hinaus  gereicht  habe.  Ob  der  Fluss  aber
jemals  ganz  versiegt  sei,  oder  ob  er  zu  irgend  einer  Zeit  Kunä-Urgendsch
  nicht  erreicht  habe,  darüber  konnte  ich  keine  Nachricht ­
  erhalten/

Vom  13.  Jahrhundert  an,  sagt  man,  sei  der  Oxus
wieder  nicht  mehr  in  den  Aralsee,  sondern  in  das  caspisclie
Meer  geflossen,  während  der  Jaxartes  entweder  sich  in  der
Wüste  verlor,  oder  mühsam  danach  rang,  sich  mit  dem  Oxus
zu  vereinigen.  Es  wird  hier  wieder  von  dem  Stillschweigen
der  Schriftsteller  ein  ausgedehnter  Gebrauch  gemacht.  Es  wird
der  häufigen  Missionen  gedacht,  welche  damals  zu  den  Mongolen
entsendet  wurden  und  mit  Nachdruck  hervorgehoben,  dass  auch
nicht  ein  einziger  der  den  Missionären  zu  verdankenden  Reiseberichte ­
  des  Aralsees  gedenkt,  ,obwohl  in  den  meisten  Fällen
die  Route  der  Reisenden  an  denselben  oder  über  denselben  führte'.
Nachdem  oben  gezeigt  worden  ist,  dass  wir  für  die  aralische
Mündung  des  Oxus  Zeugnisse  besitzen,  welche  bis  in  das  14.  Jahrhundert ­
  herabreichen,  so  sei  denn  hier  jenes  ,Stillschweigen'  über
den  See  selbst,  aus  dem  so  viel  erschlossen  wird,  mit  einigen
Worten  geprüft.  Zuerst  soll  es  Ruysbroeck  sein,  der  1253  den
unteren  Jaxartes  hinabgefahren  sei  und  dann  erzählt  habe,  dass
dieser  Strom  nicht  etwa  in  einen  See  fliesse,  sondern  in  der
Wüste  verrinne,  wo  er  ausgedehnte  Moräste  bilde.
So  steht  denn  nun  vor  Allem  die  Sache  nicht.  Ruysbroeck ­
  ist  den  Jaxartes  niemals  hinabgefahren,  ja  hat  ihn  gar
niemals  berühren  können,  da  er  vom  Jaikflusse  ungefähr  37  Tage
lang  in  starken  Märschen  immer  gegen  Osten  zog.  Erst  dann
wendete  er  sich  südlich  und  ging  acht  Tage  lang  an  Gebirgen
hin;  am  achten  Tage  sah  er  ein  hohes  Gebirge  im  Süden  und
gelangte  am  folgenden  Tage  an  einen  ,grossen  Fluss,  der  aus
dem  Gebirge  komme,  südöstlich  vom  Jaik  fliesse  und  sich  in
Sümpfe  verliere'. 1  Da  er  den  Handelsplatz  Talas  rechts  Hess,
darauf  über  den  Ili  setzte,  so  kann  man  nicht  anders  folgern,
als  dass  die  Bergkette,  an  der  er  acht  Tage  lang  hinzog,  diejenige ­
  ist,  welche  die  Steppe  Badpak-Dala,  die  Steppe  der

1  Recuc-il  des  Voyagt-s  IV,  278.
            
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