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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Aralseefrage.

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über,  welches  170  Werste  von  Alt-Urgendsch  inmitten  der
fruchtbarsten  Landschaft  liegt.  Eine  neue  Ansiedlung  unweit
der  Stelle  des  früheren  Alt-Urgendsch,  welche  in  diesem  Jahrhundert ­
  entstand,  ist  bisher  unansehnlich  geblieben.  Parallel
mit  diesem  Verfalle  nahm  die  Austrocknung  des  Oxusarmes
zu,  der  für  Kuhne-Urgendsch  einst  den  Werth  eines  der  Canäle
hatte,  welche  die  anderen  Städte  anlegten,  um  sicher  vor  den
Ueberschwemmungen  des  Oxus,  an  den  Vortheilen  seines  befruchtenden ­
  Wassers  theilzunehmen.
Immer  schmaler  wurde  das  aus  dem  Laudän  sich  abzweigende ­
  Rinnsal  des  Scharkrauk.  In  welchem  Zustande  er
sich  jetzt  darstellt,  lässt  der  Bericht  Basiners  erkennen,  der
hier  eine  Stelle  finden  möge.  Dieser  tüchtige  Beobachter  schreibt:
,Am  15.  September  (1842)  verliessen  wir  wieder  Kunä-Urgendsch
  und  durchwateten  an  der  Ostseite  der  Stadt  den  Fluss
Sarkrauk,  welcher  ungefähr  20  Werste  nordöstlich  aus  dem
Laudän,  einem  Arm  des  Amu-darja,  entspringt.  Er  nahm  an
der  Stelle  unseres  Uebergang-s,  welche  in  dieser  Gegend  die
schmälste  war,  kaum  den  zehnten  Theil  des  ganzen,  deutlich
erkennbaren  Bettes  ein  und  bildete  einen  kleinen  Strom  von
60—70  Fuss  Breite  und  2  Fuss  Tiefe,  der  sich  sein  Rinnsal ­
  am  rechten  oder  westlichen  Ufer  des  Bettes  gebahnt  hatte.
Die  übrige  Breite  des  Bettes  war  zum  Theil  mit  noch  weichem,
zum  Theil  mit  schon  ausgetrocknetem  Schlamm  und  Sand  bedeckt, ­
  so  dass  keine  scharfe  Grenze  zwischen  dem  Flussbette
und  den  ziemlich  hohen  Sandhügeln,  welche  dieses  Ufer  einschliessen,
  vorhanden  war.  Auch  das  westliche  Ufer  ist  sehr
sandig,  doch  sind  die  Hügel  hier  nicht  so  gross  und  hoch,  wie  am
Ostufer.  Es  ist  daher  nicht  unwahrscheinlich,  dass  das  Bett
einst  breiter  als  jetzt  gewesen  sein  mag.  Die  Chiwaer  behaupten,
dieser  Fluss  habe  sich  ehemals  ins  caspische  Meer  ergossen
und  erweitere  sich  jetzt  seit  einigen  Jahren  wieder  zusehends,
indem  er  sich  schon  bis  auf  zwei  Tagereisen  weit  jenseits  Kunä-Urgendsch
  erstrecke,  während  er  vorher  nur  einige  Werst
Wüste  Kara  Kum;  hier  kreuzen  sicli  die  Strassen  von  Persien  nach  dem
unteren  Jaxartes  und  von  Buchära  nach  dem  caspischen  Meere.  Ueber
den  heutigen  Zustand  von  Alt-Urgendsch  gibt  Belehrung  Danilewski,  Opisanie
  Chiwinskago  Chanstwa.  Zapiski  geogr.  obscestwa.  Sankt-Peterb.
1851.  V.,  107.
            
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