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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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R  o  e  s  1  e  r.

oder  Südosten  kommenden  Gewässer  von  der  Stadt  abhielt.
Es  ist  auch  klar,  dass  eine  ganz  geringe  Ablenkung  genügte,  um
die  Gräben  von  Urgendsch  trocken  zu  legen,  denn  dies  beabsichtigte ­
  man,  nicht  aber,  wie  wir  oben  lasen,  die  Wälle  zu
unterwaschen  und  zu  zerstören.  Da  die  Mongolen  sich  darum
nicht  zu  kümmern  hatten,  wohin  der  Wasserarm  floss,  wenn
er  nur  nicht  die  Gräben  von  Urgendsch  füllte,  so  war  eine
augenblickliche  Ueberschwemmung  des  nahen  Gebietes  von
Urgendsch  die  Folge,  eine  Ueberschwemmung,  die  sogleich  ein
Ende  nahm,  als  die  Urgendscher  die  Störung,  welche  die  Mongolen
in  den  Wasserzufluss  gebracht  hatten,  beseitigen  konnten.  Und
dies  thaten  sie,  sobald  sie  sich  nach  dem  furchtbaren  Schicksal
der  Einnahme,  des  Gemetzels  und  der  Plünderung  wieder  zu  erholen
anfingen;  denn  das  Wasser,  an  dem  sie  wohnten,  war  ihre
Lebensader,  der  Quell,  der  ihre  Felder  tränkte  und  befruchtete.
Oder  meint  man,  dass  eine  Bevölkerung,  über  deren
Menge  ein  Jahrhundert  später  Ibn  Batuta  staunte,  den  Damm,
der  sie  vom  belebenden  Strome  des  süssen  Wassers  absperrte,
nicht  wieder  zerstört  hat?  Urgendsch  müsste  ja,  wenn  die  Ablenkung ­
  seines  Wassers  eine  dauernde  geblieben  wäre,  völlig
verfallen  sein.  Es  war  aber  nicht  nur  noch  1272  die  Residenz
von  Chorasmien,  wie  wir  aus  Wassäf  ersehen, 1  sondern  noch
1340  ein  blühender  Handelsplatz,  wo  die  Karawanen  wie  vor
Jahrhunderten  eintrafen.  Noch  wurde  damals  keine  Abnahme
bemerkt.  Nur  menschliche  Wuth  konnte  ihm  einen  neuen
furchtbaren  Schlag  versetzen.  Aber  selbst  die  Zerstörung  durch
Timur  1388  hat  es  überdauert;  wiederaufgebaut,  erlangte  es  seine
frühere  Bedeutung  allerdings  nicht  mehr.  Anthony  Jenkinson
fand  es  1559  in  elendem  Zustande.  Eine  neue  letzte  Zerstörung
erfuhr  der  Ort  durch  die  Kalmüken.  Seitdem  liegt  es  in  Ruinen;
so  fand  es  Thompson  1740.  Den  Namen  zu  retten,  hat  man
südöstlich  eine  neue  Gründung  gemacht  (Jengi-Urgendsch),
doch  die  Rolle  eines  politischen  Centrums  in  der  Oase,  eines
Brennpunkts  des  östlichen  Handels,  ging  an  das  jüngere  Chiwa 2

1  S.  154  bei  Hammer.
2  Der  Grund  der  Aufnahme  von  Chiwa  deutet  Wassaf  mit  deu  Worten  an,
dass  es  der  Uebergang  aus  Chowarezm  ist.  S.  141:
Chiwa  liegt  am  südlichen  Rande  der  Oase  gegen  die
            
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