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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Roes  ler.

nur  Sümpfe  bestanden, 1  ja  man  geht  so  weit,  zu  meinen,  dass
auch  nicht  ein  Tropfen,  weder  vom  Oxus  noch  vom  Jaxartes,
in  das  caspische  Meer  gelangt  sei.  Doch  schon  im  Jahre  1221
soll  sich  ein  Ereigniss  zugetragen  haben,  welches  den  Oxus
wieder  in  seine  westliche  Bahn  zurück  trieb,  ,1m  Jahre  1221
geschah  es,  dass  Oktai  Chan,  Sohn  des  Dschingiz  Chan,  bei
der  Belagerung  von  Urgendsch  zum  ersten  Male  den  Oxusdamm
durchbrach,  welcher  das  Einströmen  der  Irrigationsgewässer
in  den  alten  Canal  regulirte  und  indem  er  auf  solche  Weise
die  ganze  Gewalt  der  Strömung  gegen  die  Stadtwälle  wirken
liess,  dieselben  unterwusch  und  zerstörte.  Wir  wissen  nicht,
was  eigentlich  auf  die  Zerstörung  dieses  Dammes  erfolgte,  und
ob  mit  dieser  Operation  etwa  eine  Absperrung  des  zum  Aral
führenden  Armes  unterhalb  der  Ableitungsstelle  Hand  in  Hand
ging;  aber  nur  wenige  Jahre  später,  1224,  finden  wir  in  Yacuts
Beschreibung  der  Halbinsel  Mangyschlak  die  erste  Notiz  davon,
dass  der  Oxus  neuerdings  seinen  Weg  zum  Caspisee  genommen.
Wir  dürfen  demnach  in  diesem  Falle  diese  grosse  Veränderung
der  physischen  Geographie  jener  Region,  die  mit  der  Austrocknung ­
  des  Aral  endete,  um  so  mehr  und  um  so  sicherer  Oktais
künstlicher  Zerstörung  des  Dammes  von  Urgendsch  zuschreiben,
als  Hamdullah  Mustowfi,  welcher  im  folgenden  Jahrhunderte,
etwa  um  1330  n.  Chr.,  die  Aenderung  des  Oxuslaufes  vom  Aral
zum  Caspisee  beschreibt,  dabei  ausdrücklich  sagt,  dass  dieses
Ereigniss  um  die  Zeit  des  Entstehens  des  grossen  Mongolenreiches ­
  sich  zutrug.  Gleichzeitig  mit  der  Zerstörung  von  Urgendsch ­
  muss  jedoch  am  Oxus  eine  zweite  Krisis  eingetreten
sein,  welche  den  oberen  oder  südlichen  Arm  dieses  Stromes
öffnete,  denn  der  durch  Hamdullah  beschriebene  Canal  ist
nicht  der  nördliche  Arm  von  Urgendsch,  sondern  jener,  der  von
Hezarasp  durch  den  Pass  von  Muslim  und  Kurlawa  nach  Akritscheh
  am  caspischen  Meere  floss  und  seine  Mündung  wahrscheinlich ­
  bei  dem  heutigen  Orte  Aktübbe,  ein  wenig  nördlich
von  der  Atrekmündung,  hatte/ 2

1  So  bei  Masudi  im  kitdb  el  tenbih  (Notices  et  extraits  VIII  154).  Quelquesuns
  disent  que  le  Gihon  se  perd  dans  des  etangs  et  des  lieux  marecageux.

2  Ausland  a.  a.  O.  321.
            
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