230
Roe sler.
Höhle, genannt der Löwenrachen. Die Höhle aber liegt zwischen
zwei Bergen und zwischen ihnen betindet sich eine schmale
Wüste, in welche ein grosser Theil des Wassers hineinfliesst.
Hier oder in der sich anschliessenden Ebene verliert sich der
Amu, um eine ganze Meile lang unterirdisch zu fliessen. Auch
giebt es nach demselben Schriftsteller bei Chullum, das in
türkischer Sprache Gürlade heissen soll, ein solches Rauscheu
des Flusses, dass man ihn zwei Parasangen weit hören kann.
Von denselben Wundern des Flusses erzählt auch Kjatib-Tschelebi
in seiner Weltschau: Der Fluss Oxus gelangt in ein
enges Thal, genannt Löwenrachen, das nicht breiter ist als
hundert Ellen. Daraus hervorgetreten, verliert er sich im Sande
auf einem Umkreis von zwei Parasangen, wo man bei dem
Versuche zu gehen einsinkt. Der Ort der engen Spalte wird
in die Nähe von Kurghendsch in Chowarezm gesetzt. Derselbe
Kjatib-Tschelebi weiss aber auch von einem Arme des Dschihün,
der in der Nähe der Hauptstadt von Chowarezm in ein enges
und steiniges Thal eintritt, das die Türken Kerlawa nennen.
Hier bildet der Flussarm einen Wasserfall und rauscht so
fürchterlich, dass man ihn zwei Parasangen weit hört.
Ein Nachklang dieser Sagen ist auch zu den Ohren des
Reisenden Alex. Bum es gedrungen. Es ist, sagt er, ein Volksglaube,
dass eine unterirdische Verbindung zwischen dem Aralsee
und dem caspischen Meere besteht. An einer Kara Gumbaz
genannten Stelle, wo die Karawanen halten, behaupten Einige,
man höre das Wasser Unten durchrauschen. Dem Volk erscheint,
bemerkt Burnes, dazu ein solcher unterirdischer Durchgang
unumgänglich nothwendig, da der Aralsee für zwei so grosse
Ströme keinen Ausfluss hat.
Eine weitere Illustration zu diesen Vorstellungen gewinnen
wir aus einem Reiseberichte, der in seinen Grundlagen auf die
letzten 30 Jahre des 18. Jahrhunderts zurückgeht. 1 ,Zehn>
Werste von dem Theilungspunkte der Karawanenwege nach
Alt-Urgendsch und Kunrad, fünf Werste seitwärts, befindet sich
eine Insel, Barsa-Kilmes genannt, das heisst: Der dahin kommen
1 Beiträge zur Länder- und Staatenkunde der Tartarei. Aus russischen Berichten
von T. F. Ehrmann. Bibliothek der neuesten und interessantesten
Reisebeschreibungen. Wien 1805, XXIV, 329.