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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Roe  sler.

Höhle,  genannt  der  Löwenrachen.  Die  Höhle  aber  liegt  zwischen
zwei  Bergen  und  zwischen  ihnen  betindet  sich  eine  schmale
Wüste,  in  welche  ein  grosser  Theil  des  Wassers  hineinfliesst.
Hier  oder  in  der  sich  anschliessenden  Ebene  verliert  sich  der
Amu,  um  eine  ganze  Meile  lang  unterirdisch  zu  fliessen.  Auch
giebt  es  nach  demselben  Schriftsteller  bei  Chullum,  das  in
türkischer  Sprache  Gürlade  heissen  soll,  ein  solches  Rauscheu
des  Flusses,  dass  man  ihn  zwei  Parasangen  weit  hören  kann.
Von  denselben  Wundern  des  Flusses  erzählt  auch  Kjatib-Tschelebi
  in  seiner  Weltschau:  Der  Fluss  Oxus  gelangt  in  ein
enges  Thal,  genannt  Löwenrachen,  das  nicht  breiter  ist  als
hundert  Ellen.  Daraus  hervorgetreten,  verliert  er  sich  im  Sande
auf  einem  Umkreis  von  zwei  Parasangen,  wo  man  bei  dem
Versuche  zu  gehen  einsinkt.  Der  Ort  der  engen  Spalte  wird
in  die  Nähe  von  Kurghendsch  in  Chowarezm  gesetzt.  Derselbe
Kjatib-Tschelebi  weiss  aber  auch  von  einem  Arme  des  Dschihün,
der  in  der  Nähe  der  Hauptstadt  von  Chowarezm  in  ein  enges
und  steiniges  Thal  eintritt,  das  die  Türken  Kerlawa  nennen.
Hier  bildet  der  Flussarm  einen  Wasserfall  und  rauscht  so
fürchterlich,  dass  man  ihn  zwei  Parasangen  weit  hört.
Ein  Nachklang  dieser  Sagen  ist  auch  zu  den  Ohren  des
Reisenden  Alex.  Bum  es  gedrungen.  Es  ist,  sagt  er,  ein  Volksglaube, ­
  dass  eine  unterirdische  Verbindung  zwischen  dem  Aralsee ­
  und  dem  caspischen  Meere  besteht.  An  einer  Kara  Gumbaz
genannten  Stelle,  wo  die  Karawanen  halten,  behaupten  Einige,
man  höre  das  Wasser  Unten  durchrauschen.  Dem  Volk  erscheint,
bemerkt  Burnes,  dazu  ein  solcher  unterirdischer  Durchgang
unumgänglich  nothwendig,  da  der  Aralsee  für  zwei  so  grosse
Ströme  keinen  Ausfluss  hat.
Eine  weitere  Illustration  zu  diesen  Vorstellungen  gewinnen
wir  aus  einem  Reiseberichte,  der  in  seinen  Grundlagen  auf  die
letzten  30  Jahre  des  18.  Jahrhunderts  zurückgeht. 1  ,Zehn>
Werste  von  dem  Theilungspunkte  der  Karawanenwege  nach
Alt-Urgendsch  und  Kunrad,  fünf  Werste  seitwärts,  befindet  sich
eine  Insel,  Barsa-Kilmes  genannt,  das  heisst:  Der  dahin  kommen

1  Beiträge  zur  Länder-  und  Staatenkunde  der  Tartarei.  Aus  russischen  Berichten ­
  von  T.  F.  Ehrmann.  Bibliothek  der  neuesten  und  interessantesten
Reisebeschreibungen.  Wien  1805,  XXIV,  329.
            
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