Die Aralseefrage.
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dasjenige, von dem Christöval Colon befangen war, als er
auf dem Boden culturloser Küstenräume der neuen Welt stehend,
überzeugt war, in Asien im Gebiete des grossen Chans von
China sich zu befinden. Später sahen die Griechen ein, dass
der Tanais Europas und der Jaxartes nicht derselbe seien, dass
auch kein zweiter grosser Fluss neben dem Tanais in die
Maeotis falle, dass auch zwischen Tanais und Jaxartes der in
das caspische Meer mündende Iihafluss liege. Was blieb dann
übrig, als dem Jaxartes einen Ablauf in dasselbe Meer zu
geben, da er die Maeotis unmöglich erreichen konnte. Dabei
Hess man, immer verstrickt in die Meinung, es sei nur von
einer und derselben Xlpvrj die Rede gewesen, die Nachricht
von der X(jxvy), in die der Jaxartes mündet, gänzlich fallen und
vergass sie, und damit war die Entdeckung und feste Bestimmung
des Aralsees um weitere Jahrhunderte vertagt.
Der Nächste, der nach Herodotos von einem Sumpfe an
Stelle des Aralsees Erwähnung thun soll, ist Zemarchos im
J. 570 und dessen Reisebericht wird als neues Argument dafür
geltend gemacht, dass der Aralsee auch im 6. Jahrhundert
noch nicht bestand. Wir lesen bei dem einen der Vertreter der
Zeitweiligkeit des Aralsees folgende merkwürdige Aeusserung:
,Als Zemarchus von seiner Mission zurückkehrend, am Ak-Tagh
nördlich von Samarkand lagerte, und den Oetsch (oder Vakh,
wahrscheinlich der rechte Oxusarm) nahe bei der Stadt Urgendsch
überschritt, fand er nämlich den Aral noch nicht zu
einem förmlichen Binnensee entwickelt, sondern noch im Zustande
eines ausgedehnten Morastes. 1
Zu den quälendsten Berichten, die ein Geograph studiren
kann, gehört unbestritten der abgerissene hastige Bericht über
die Reise des Zemarchos an den Hof des türkischen Chagans
hei Menander Protector. Wie viel man sich auch mit ihm abgemüht
hat, sichere Ergebnisse sind nicht erzielt worden und
werden wie es scheint auch nicht erzielt werden. Der Bericht
]st zu vag, das Terrain,.das er berührt, zu weit. Man thäte
darum sehr gut, den zuversichtlichen Ton, mit dem man die
hei Menander genannten Namen deutet, herabzustimmen und
einzuräumen, dass mancherlei Möglichkeiten bleiben. Wie man
1 Ausland 1872, S. 321. v. Hellwald, die Hussen in Centralasien. 1873, S. 20.
Sitzungsber. d. phil.-hist. CI. LXXIV. Bd. I. Hft. 15