Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Aralseefrage.

225

dasjenige,  von  dem  Christöval  Colon  befangen  war,  als  er
auf  dem  Boden  culturloser  Küstenräume  der  neuen  Welt  stehend,
überzeugt  war,  in  Asien  im  Gebiete  des  grossen  Chans  von
China  sich  zu  befinden.  Später  sahen  die  Griechen  ein,  dass
der  Tanais  Europas  und  der  Jaxartes  nicht  derselbe  seien,  dass
auch  kein  zweiter  grosser  Fluss  neben  dem  Tanais  in  die
Maeotis  falle,  dass  auch  zwischen  Tanais  und  Jaxartes  der  in
das  caspische  Meer  mündende  Iihafluss  liege.  Was  blieb  dann
übrig,  als  dem  Jaxartes  einen  Ablauf  in  dasselbe  Meer  zu
geben,  da  er  die  Maeotis  unmöglich  erreichen  konnte.  Dabei
Hess  man,  immer  verstrickt  in  die  Meinung,  es  sei  nur  von
einer  und  derselben  Xlpvrj  die  Rede  gewesen,  die  Nachricht
von  der  X(jxvy),  in  die  der  Jaxartes  mündet,  gänzlich  fallen  und
vergass  sie,  und  damit  war  die  Entdeckung  und  feste  Bestimmung ­
  des  Aralsees  um  weitere  Jahrhunderte  vertagt.
Der  Nächste,  der  nach  Herodotos  von  einem  Sumpfe  an
Stelle  des  Aralsees  Erwähnung  thun  soll,  ist  Zemarchos  im
J.  570  und  dessen  Reisebericht  wird  als  neues  Argument  dafür
geltend  gemacht,  dass  der  Aralsee  auch  im  6.  Jahrhundert
noch  nicht  bestand.  Wir  lesen  bei  dem  einen  der  Vertreter  der
Zeitweiligkeit  des  Aralsees  folgende  merkwürdige  Aeusserung:
,Als  Zemarchus  von  seiner  Mission  zurückkehrend,  am  Ak-Tagh
nördlich  von  Samarkand  lagerte,  und  den  Oetsch  (oder  Vakh,
wahrscheinlich  der  rechte  Oxusarm)  nahe  bei  der  Stadt  Urgendsch
  überschritt,  fand  er  nämlich  den  Aral  noch  nicht  zu
einem  förmlichen  Binnensee  entwickelt,  sondern  noch  im  Zustande ­
  eines  ausgedehnten  Morastes. 1
Zu  den  quälendsten  Berichten,  die  ein  Geograph  studiren
kann,  gehört  unbestritten  der  abgerissene  hastige  Bericht  über
die  Reise  des  Zemarchos  an  den  Hof  des  türkischen  Chagans
hei  Menander  Protector.  Wie  viel  man  sich  auch  mit  ihm  abgemüht ­
  hat,  sichere  Ergebnisse  sind  nicht  erzielt  worden  und
werden  wie  es  scheint  auch  nicht  erzielt  werden.  Der  Bericht
]st  zu  vag,  das  Terrain,.das  er  berührt,  zu  weit.  Man  thäte
darum  sehr  gut,  den  zuversichtlichen  Ton,  mit  dem  man  die
hei  Menander  genannten  Namen  deutet,  herabzustimmen  und
einzuräumen,  dass  mancherlei  Möglichkeiten  bleiben.  Wie  man

1  Ausland  1872,  S.  321.  v.  Hellwald,  die  Hussen  in  Centralasien.  1873,  S.  20.
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  LXXIV.  Bd.  I.  Hft.  15
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.