Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Aralseefrage.

221

worden.  Der  Handel  mit  China  zog  den  Landweg  von  Medien
nach  Hochasien  vor  und  ging  von  Edessa  über  Ecbatana,  Ragae,
Pylae  Caspiae,  Antiochia  am  Margus  (Murghäb)  nach  Bactra
(Balch),  schnitt  sodann  nur  einmal  den  Oxus  in  seinem  oberen
Laufe,  um  sich  dann  sogleich  in  nordöstlicher  Richtung  wieder
von  ihm  zu  entfernen  und  auf  Lithinos  Pyrgos  am  Jaxartes
zu  steuern. 1
Wie  hätten  Kaufleute,  die  diese  Strasse  zogen,  viele
Kunde  heimbringen  sollen  über  das  Aralbecken  und  seine
beiden  Ströme,  da  sie  an  150  Meilen  von  ihm  entfernt  blieben?
Die  Heere  eines  civilisirten  Volkes  sind  aber  nur  einmal  nach
Transoxiana,  das  Maweralnahr  der  Späteren 2 ,  vorgedrungen  und
auch  sie  blieben  fern  vom  Aralsee,  wie  wir  später  sehen  werden.
Die  Stelle  des  Plinius,  auf  welche  der  geistvolle  Victor
Hehn  in  einer  seiner  genussreichen  Untersuchungen  hingewiesen
hat, 3  duldet  keineswegs  die  Deutung,  welche  ihr  der  Verfasser

1  Diese  quellengemüsse  Auffassung  weicht  freilicli  sehr  von  derjenigen
ab,  welche  einer  der  Vertreter  der  Periodicität  des  Aralsees  verfechten  zu
können  meint,  wenn  er  sagt:  Ausland  1872,  S.  321:  ,Die  Handelsstrasse
ging  vom  indischen  Kaukasus  aus,  benützte  den  Oxus  bis  zum  Caspisee,
welcher  überschifft  ward,  zog  dann  den  Kur-  oder  Cyrusfluss  hinauf,  und
ging  den  Pliasis  (Rion)  wieder  hinab  zum  schwarzen  Meer.  In  den  Zeiten,
wo  ein  solcher  Haudelsweg  möglich  war,  musste  demnach  der  Oxus  in
den  Caspisee,  und  nicht  in  den  Aral  gemündet  haben.  Wenn  wir  ferner
die  Summe  von  geographischen  Nachrichten  betrachten,  welche  den  griechischen ­
  und  römischen  Autoren  zu  Gebote  standen,  wenn  wir  erwägen,
dass  die  in  Rede  stehenden  Gebiete  zwischen  Persien  und  dem  indischen
Kaukasus  Jahrhunderte  lang  durch  griechische  Fürsten  regiert  wurden,  dass
griechische  Admirale  das  caspisclie  Meer  beschilften,  während  die  Handelsleute ­
  von  Indien  nach  dem  Mittelmeer  ihre  Reisetage-  und  Routenbiicher  zu
Hause  nach  Rom  brachten,  so  scheint  der  Zweifel  ausgeschlossen,  als  ob
wir  in  so  hervorragenden  Werken  wie  in  jenen  Strabon’s,  Plinius’  und
Ptolemäus’  nicht  eine  richtige  Darstellung  der  centralasiatischen  Geographie
in  der  Zeit  von  600  v.  bis  600  n.  Chr.  vor  uns  hätten.“
2  Die  Alten,  welche  aus  Oxus  das  Adj.  Oxianus  (Plinius)  ’Q^eiavo's  (Ptol.)
bildeten,  kennen  den  Ausdruck  Transoxiana  terra  nicht;  doch  ist  er  nach
Analogie  von  Transpadana  u.  a.  gebildet  und  sehr  verwendbar.  Die  bei
einigen  Neueren  wie  Vämbdry  begegnende  Form  Transoxania  ist  minder
gut  zu  heissen.
3  Das  Salz.  Eine  kulturhistorische  Studio.  Berlin  1873,  S.  18,  19.  Die  Stelle
bei  Plinius  31,  74  lautet:  namque  in  Bactris  duo  lacus  vasti,  alter  ad
Seythas  versus,  alter  ad  Arios,  sale  exaestuant.  Bactri  Arii  für  Bactria
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.