Die Aralseefrage.
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worden. Der Handel mit China zog den Landweg von Medien
nach Hochasien vor und ging von Edessa über Ecbatana, Ragae,
Pylae Caspiae, Antiochia am Margus (Murghäb) nach Bactra
(Balch), schnitt sodann nur einmal den Oxus in seinem oberen
Laufe, um sich dann sogleich in nordöstlicher Richtung wieder
von ihm zu entfernen und auf Lithinos Pyrgos am Jaxartes
zu steuern. 1
Wie hätten Kaufleute, die diese Strasse zogen, viele
Kunde heimbringen sollen über das Aralbecken und seine
beiden Ströme, da sie an 150 Meilen von ihm entfernt blieben?
Die Heere eines civilisirten Volkes sind aber nur einmal nach
Transoxiana, das Maweralnahr der Späteren 2 , vorgedrungen und
auch sie blieben fern vom Aralsee, wie wir später sehen werden.
Die Stelle des Plinius, auf welche der geistvolle Victor
Hehn in einer seiner genussreichen Untersuchungen hingewiesen
hat, 3 duldet keineswegs die Deutung, welche ihr der Verfasser
1 Diese quellengemüsse Auffassung weicht freilicli sehr von derjenigen
ab, welche einer der Vertreter der Periodicität des Aralsees verfechten zu
können meint, wenn er sagt: Ausland 1872, S. 321: ,Die Handelsstrasse
ging vom indischen Kaukasus aus, benützte den Oxus bis zum Caspisee,
welcher überschifft ward, zog dann den Kur- oder Cyrusfluss hinauf, und
ging den Pliasis (Rion) wieder hinab zum schwarzen Meer. In den Zeiten,
wo ein solcher Haudelsweg möglich war, musste demnach der Oxus in
den Caspisee, und nicht in den Aral gemündet haben. Wenn wir ferner
die Summe von geographischen Nachrichten betrachten, welche den griechischen
und römischen Autoren zu Gebote standen, wenn wir erwägen,
dass die in Rede stehenden Gebiete zwischen Persien und dem indischen
Kaukasus Jahrhunderte lang durch griechische Fürsten regiert wurden, dass
griechische Admirale das caspisclie Meer beschilften, während die Handelsleute
von Indien nach dem Mittelmeer ihre Reisetage- und Routenbiicher zu
Hause nach Rom brachten, so scheint der Zweifel ausgeschlossen, als ob
wir in so hervorragenden Werken wie in jenen Strabon’s, Plinius’ und
Ptolemäus’ nicht eine richtige Darstellung der centralasiatischen Geographie
in der Zeit von 600 v. bis 600 n. Chr. vor uns hätten.“
2 Die Alten, welche aus Oxus das Adj. Oxianus (Plinius) ’Q^eiavo's (Ptol.)
bildeten, kennen den Ausdruck Transoxiana terra nicht; doch ist er nach
Analogie von Transpadana u. a. gebildet und sehr verwendbar. Die bei
einigen Neueren wie Vämbdry begegnende Form Transoxania ist minder
gut zu heissen.
3 Das Salz. Eine kulturhistorische Studio. Berlin 1873, S. 18, 19. Die Stelle
bei Plinius 31, 74 lautet: namque in Bactris duo lacus vasti, alter ad
Seythas versus, alter ad Arios, sale exaestuant. Bactri Arii für Bactria