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Roesler.
skythischen oder sakischen Umwohnern geführt, können wir
uns wol vorstellen; er hiess eben der ,See‘ schlechthin, wozu
ihn seine Dimensionen wohl berechtigten. So heissen ihn denn
auch die Kirgisen noch jetzt den See (denghiz). Als die
Chorasmier in ihrer reichgesegneten Culturoase in Aufnahme
kamen, nannte man ihn wohl bald nach ihnen den See der
Chorasmier; es ist die häufigste Bezeichnung geworden in der
gesammten Literatur der Araber und Perser (bahr Chowarezm,
derjäji Chärezm). 1 Als später die Stadt am Oxus Gorgandsch zu
Reichthum gelangte und ein blühender Handelsplatz wurde,
nannten arabische Schriftsteller den See auch den See von
Glorgandsch oder Dschordschania.
Die Russen haben den See das blaue Meer (Sinoje more)
genannt, das übrige Europa hat die Benennung Aralsee ausschliessend
in Gebrauch. Sie stammt vom kirgisischen Worte
aräl, Insel, aber die Kirgisen nannten den See nicht darum so,
weil sich einige Inseln in ihm finden, wie die gewöhnliche Erklärung
geht, sondern weil der See an der von den Armen
des Oxus gebildeten Deltainsel, der Insel schlechthin, dem
Lande Aral gelegen ist. Die Einwohner desselben nennen sich
auch Aralen. 2
Betrachten wir nun die Ansicht, nach welcher der Aralsee
von Zeit zu Zeit ganz verschwinden soll. 3 Sie wird, wie
wir schon bemerkt, gefolgert aus dem Stillschweigen der
Alten. Die Schlüsse aus diesem, so beliebt sie sind, gehören,
wie sich kein besonnener Urtheiler verhehlen kann, zu den
heikelsten aller und erfordern ganz besondere Vorsicht. Man
darf, wie ich meine, aus dem Stillschweigen der Alten über
1 Vgl. Basiner S. 171.
2 Vämbery (Hist, of Bokhara. Introduct. XXII) kämpft für die moderne, im
Lande selbst herrschende Aussprache Chärizm, Chärezm gegen die übliche
europäische, den Buchstaben folgende Chowarezm. Merkwürdig
harmonirt die griechische Schreibung Xtopaorpaoi mit diesem Chärezm aus
Chworezm; Xcopaauioi schrieb man aber wol für Chworasmioi, das griechischem
Ohr widerstrebte.
3 Sir Henry C. Rawlinson in den Proceedings of the R. Geographical Society
1867 Vol. XI, S. 114 ff. Die Einwendungen Sir Roderich Murchisons
a. a. O. S. 203—216. Journal XXXVn, S. CXXXIY-CXLVI. Friedrich
von Hellwald, Ausland 1872, S. 319—324. Die Russen in Centralasien.
Wien 1869. S. 13. 2 Aufl. Augsburg 1873. S. 18—28.