Die Araleeefrage.
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trinkbarem Wasser — eigentlich durchaus versagt hat. Auch
während der höchsten Handelsblüthe des Reichs von Chowarezm,
welche selbst ein Wüterich wie Tschingizchan nicht ganz zu
knicken vermochte, damals, als die Hauptstadt ihre Bewohner nach
Hunderttausenden zählte, hat der Verkehr von diesem grossen
Wasserspiegel keinen Vorth eil gezogen. Niemals durchfuhr ihn
das Steuer eines Kauffahrers und seine Vergangenheit ist wie
ein unbeschriebenes Blatt. Erst in den Händen Russlands gewinnt
er eine Zukunft, die Dampfer, welche ihn unter dieser Flagge
durchschneiden, sind die ersten Schiffe, welche den Schaum
seiner blauen Wogen erregen.
Der See empfängt ausser den beiden Flüssen keine anderen
Einströmungen, der Niederschlag aus der Atmosphäre ist
in dem ganzen Gebiete ein sehr geringer, vielleicht darf die
Zahl, welche diesem Zuwachse eine jährliche Schichte von 9"
zuschreibt, für zu hoch gegriffen gelten. Die Menge des Wassers,
welche der Oxus und Jaxartes in den See werfen, ist dagegen eine
sehr ansehnliche; doch dürften die Ziffern, welche dieselbe zum
Ausdruck zu bringen trachten, nicht für verlässlich gelten. Für
den Jaxartes wird die Wassermenge auf 1900 Millionen Cubikfuss,
für den Oxus auf 1500 Millionen Cubikmeter berechnet.
Ohne Verdunstung müsste die Seefläche um eine ansehnliche
Wasserschnitte (1' 7"?) jährlich zunehmen, aber die Verdunstung
muss bei der unbedingten Herrschaft, welche der trockene Nordostpassat
in neun Monaten des Jahres ausübt, eine sehr energische
sein. Ob nun der Verdampfungsverlust den jährlichen Zufluss
übersteigt, darf noch nicht für ausgemacht gelten, wenngleich
es sehr wahrscheinlich ist. 1 Wäre dies der Fall, so würde der
See an einer Abmagerung leiden, deren Grenze erst dann erreicht
würde, wenn der Umfang des Sees keine den Zuwachs
überbietende Verdunstung zuliesse. Jedenfalls zehrte er gegenwärtig
nicht mehr an dem Grundvermögen, das die einstige
Wasserbedeckung der weiten Räume des niederen Nordasien
ihm verliehen hätte. Welchen Namen der See bei den alten
1 Nach angeblichen Beobachtungen ist der Spiegel des Aral in 32 Jahren
um 11,3 engl. Fuss gesunken und in dem Jahrzehnt von 1847—1858 dem
Lande ein Baum von 0,3 bis 0,6 geogr. Ml. zugewachsen. Petermann’s
geograph. Mittheil. 1861, S. 197.