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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Aralseefrage.

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vielfach  mit  dem  heutigen  Tedschend.  Ueber  den  Verlauf
des  Flusses  hat  Strabon  nicht  klar  werden  können,  nach  einigen
seiner  Quellen  sollte  er  sich  südlich  vom  Oxus  in  das  caspische
Meer  ergiessen,  nach  anderen  in  den  Oxus  selbst.  Legen  wir
auf  die  Mittheilung  Werth,  welche  eine  schiffbare  Verbindung  des
Binnenlandes  mit  dem  caspischen  Meer  auf  dem  Oxus  behauptete, ­
  so  möchte  man  sich  wol  zu  der  Ansicht  neigen,  dass  der
Ochos  wenigstens  zu  einer  Zeit  des  Jahx-es  sich  in  den  Oxus
ergoss  und  dass  man  die  Ochoslinie  als  die  des  kürzeren  Weges
gegenüber  derjenigen  des  Oxus  vorzog,  welcher  in  einem  grossen
Bogen  nordwärts  ablenkte.  Nach  Ptolemaeos 1  vereinigte  sich
der  Ochos  mit  dem  Oxus;  doch  möchte  ich  in  diesem  Zeugnisse ­
  keine  neue  Bestätigung  für  den  Zusammenlauf  der  beiden
Flüsse  erkennen,  sondern  vermuthe,  dass  Ptolemaeos  aus  denselben ­
  Quellen,  welche  Strabon  Vorlagen,  denjenigen  den  Vorzug
gab,  welche  die  Vereinigung  von  Oxus  und  Ochos  behaupteten.
Dass  man  aber  aus  dieser  schiffbaren  Bahn  durch  das
Binnenland  nicht  mehr  Vortheil  gezogen  hat,  erklärt  sich  nicht
schwer.  Die  einander  entgegenstehenden  Behauptungen,  dass
Oxus  und  Ochos  sich  erreichten  oder  nicht  erreichten,  vereinigen
sich  nämlich  sehr  leicht  durch  die  Annahme,  dass  beide  Flüsse
nur  zuweilen,  bei  grossem-  Wasserzufluss,  miteinander  verkehrten. ­
  In  diesem  Falle  bedeutete  die  Wasserstrasse  Oxus-Ochos
  aber  nicht  viel;  der  Oxusweg  für  sich  aber  hatte  wegen
seiner  barbarischen  Anwohner  und  wegen  der  Weite  des  Umwegs, ­
  auf  der  er  die  Waaren  nach  Indien  gelangen  liess,  wenig
Lockendes.  Schwere  Frachten  hätten,  wenn  einmal  nur  die
Gefahr  vor  den  Raubanfällen  schwand,  allerdings  noch  immer
aus  dem  freilich  unterbrochenen  Wassertransporte  Vortheil
ziehen  können.  Allein  die  Producte  des  indischen  Handels
bildeten  durchaus  leichte  Fracht,  für  welche  der  sichere  Karawanenweg ­
  durch  friedliche  Länder,  oder  der  Seeweg  über  den
indischen  Ocean  weit  günstigere  Aussichten  bot.  Was  aber  für
die  Annahme  spricht,  dass  der  Tedschend  auf  seinem  von
Serachs  an  nordwestlichen  Laufe,  während  dessen  er  jetzt  im
Sande  versiegt,  den  zum  Caspisee  fliessenden  Oxus  einst  zuweilen ­
  erreicht  haben  könnte,  ist  das  Beispiel  anderer  bekann-1

  6,  H,  4.

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