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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Aralseefrage.

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mündung  5°  gefunden.  Wir  wissen  nun  freilich  nicht,  wie  Ptolemaeos ­
  zu  seinem  Ergebniss  gelangt  ist,  vermuthen  aber  lässt
sich  auch  aus  unserem  kargen  Material,  dass  er  die  Angaben  bei
Eratosthenes  verwerthet  und  in  Rechnung  gebracht  hat,  und  es
war  die  westlichere  Lage,  die  er  der  Jaxartesmündung  gab,  nur
eine  Folge  seiner  Voraussetzung  von  der  vorherrschenden  Ostwesterstreclcung
  des  Caspimeeres,  die  ihn  nöthigte,  die  Ostküste
zur  Nordostküste  zu  krümmen.
Die  ungebührliche  Verlängerung  des  caspisclien  Meeres
nach  Osten  hat  noch  einen  andern  argen  Fehler  erzeugt;
Ptolemaeos  sah  sich  dadurch  veranlasst,  auch  den  Polytimetos
oder  Zerefschan,  der  von  Norden  her  kommend  im  Sande  versiegt ­
  oder  im  See  von  Karakul  endet,  noch  ehe  er  den  Oxus
erreicht,  in  das  caspische  Meer  zu  führen  1  —  eine  Unmöglichkeit, ­
  ob  nun  der  Oxus  in  den  Aralsee  abläuft,  oder  nahe  von
dessen  Südküste  abbiegend,  südwestlich  zum  caspischen  Meer
gelangt.  Und  so  viel  wir  sehen,  hat  Ptolemaeos  in  diesem  Irrthum ­
  keinen  Vorgänger  gehabt,  sondern  ist  dessen  eigenster
Schöpfer.
An  Ammianus  Marcellinus  zu  erinnern,  ist  nach  dem
oben  gesagten  völlig  überflüssig;  überdies  ist  der  Text  an  dieser
Stelle  lückenhaft,  der  Jaxartes  heisst  durch  die  Schuld  der  Abschreiber ­
  Araxates,  wofür  man  früher  auch  Orxanthes  las.  Dionysios
  der  Perieget  beobachtet  über  die  Mündung  des  Jaxartes
Stillschweigen.
Es  darf  daher  nicht  einen  Augenblick  daran  gedacht
werden,  diesen  Angaben  der  Alten  Gewicht  beizulegen  im
Widerspruche  mit  den  realen  physischen  Verhältnissen  der
Gegenwart.  Man  wird  von  mancher  Seite  einwenden,  die  Verhältnisse, ­
  wie  sie  heute  vorliegen,  müssen  nicht  jederzeit,  nicht
vor  16  Jahrhunderten  bestanden  haben.  Es  können  seither  Veränderungen ­
  im  Bodenrelief  eingetreten  sein,  ohne  die  es  dem
Jaxartes  noch  möglich  war,  nördlich  vom  46°  zu  dem  flachen
Nordgestade,  das  der  Caspisee  in  der  Gegend  der  Jembamiindung
zeigt,  duchzuschlüpfen.
Die  Möglichkeit  muss  zugegeben,  die  Wahrscheinlichkeit
so  bedeutender  Umgestaltung  unseres  Bodens  dagegen  in  Abrede

1  6,  14,  2.
            
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