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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Aralseefrage.

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dass  der  Jaxartes  in  den  Aralsee  floss,  ist  die  Ziffer  80  Parasangen
  oder  60  geogr.  Ml.  Entfernung  von  der  Oxusmündung
um  mehr  als  die  Hälfte  zu  niedrig.
Dem  Eratosthenes  folgend  gibt  Strabon  die  Entfernung
des  Jaxartes  von  Baktra  (Balch)  auf  5000  Stadien  =  125  Meilen
an,  was  bis  Alexandreia  eschata  oder  das  jetzige  Chodsckend,
in  der  Luftlinie  gemessen,  ziemlich  genau  zutrifft.  Aus  dieser
Angabe  lässt  sich  jedoch  für  die  gegenwärtige  Frage  kein  Nutzen
ziehen,  weil  erst  unterhalb  Chodschend  der  Fluss  in  die  nordwestliche ­
  Richtung  einlenkt,  die  ihn  endlich  zum  Aralsee  gelangen ­
  lässt.
Wie  sehr  die  Anschauungen  eines  Patrokles  und  seiner
Zeitgenossen  über  den  caspischen  See  noch  verwirrt  waren,
geht  am  besten  aus  der  Polemik  hervor,  welche  Eratosthenes
gegen  Pol  y  kleitos  erhob,  der  eine  der  Hauptquellen  über  diese
Gegenden  bildete.  Dieser  hatte  behauptet,  das  caspjsche  Meer
könne  kein  anderes  als  die  Maeotis  sein,  oder  es  bilde  Maeotis
und  caspisches  Meer  ein  Ganzes,  denn  es  münde  in  das  letztei’e
der  Tanais  —  so  benannten  die  Makedonier  nämlich  auch  den
Jaxartes  —  von  dem  es  doch  bekannt  sei,  dass  er  in  die
Maeotis  gehe.  Auch  wüchsen  an  ihm  Fichten,  die  in  Asiens
Klima  nicht  gediehen,  und  es  kämen  in  ihm  Schlangen  vor,
die  jedem  Meere  fremd  seien,  das  Wasser  aber  sei  süss,  nicht
wie  das  eines  Meeres,  sondern  wie  eines  Süsswassersees,  kurz
das  caspische  Meer  sei  kein  Meer,  sondern  ein  See,  ein  See
wie  die  Maeotis  und  mit  diesem  im  Zusammenhang.  Strabon
trennt  nun  wol  Maeotis  und  caspisches  Meer  von  einander,
und  der  Tanais  der  Truppen  Alexanders  heisst  ihm  Jaxartes,
wie  ihn  die  Eingebornen  nannten,  und  er  wirft  ihn  nicht  mit
dem  Tanais  in  Europa  zusammen,  wie  Polykleitos  und  Andere, ­
  aber  im  übrigen  ist  er  seinen  Vorlagen  doch  gefolgt  und
diese  hatten  auf  Grund  von  unzureichenden  Nachfragen  falsches
und  wahres  gemischt,  wie  einst  Herodotos  über  den  Araxes.
Pomponius  Mela  führt  den  Jaxartes,  den  seine  Quellen
schon  zum  wasserreichen  Strome  machen,  in  den  skythischen
Golf  des  caspischen  Meeres. 1  Das  Excerpt  des  Plinius  über  den
Jaxartes  fliesst  nicht  reichlicher  als  das  über  den  Oxus.  Er  ist
            
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