Die Aralseefrage.
205
dass der Jaxartes in den Aralsee floss, ist die Ziffer 80 Parasangen
oder 60 geogr. Ml. Entfernung von der Oxusmündung
um mehr als die Hälfte zu niedrig.
Dem Eratosthenes folgend gibt Strabon die Entfernung
des Jaxartes von Baktra (Balch) auf 5000 Stadien = 125 Meilen
an, was bis Alexandreia eschata oder das jetzige Chodsckend,
in der Luftlinie gemessen, ziemlich genau zutrifft. Aus dieser
Angabe lässt sich jedoch für die gegenwärtige Frage kein Nutzen
ziehen, weil erst unterhalb Chodschend der Fluss in die nordwestliche
Richtung einlenkt, die ihn endlich zum Aralsee gelangen
lässt.
Wie sehr die Anschauungen eines Patrokles und seiner
Zeitgenossen über den caspischen See noch verwirrt waren,
geht am besten aus der Polemik hervor, welche Eratosthenes
gegen Pol y kleitos erhob, der eine der Hauptquellen über diese
Gegenden bildete. Dieser hatte behauptet, das caspjsche Meer
könne kein anderes als die Maeotis sein, oder es bilde Maeotis
und caspisches Meer ein Ganzes, denn es münde in das letztei’e
der Tanais — so benannten die Makedonier nämlich auch den
Jaxartes — von dem es doch bekannt sei, dass er in die
Maeotis gehe. Auch wüchsen an ihm Fichten, die in Asiens
Klima nicht gediehen, und es kämen in ihm Schlangen vor,
die jedem Meere fremd seien, das Wasser aber sei süss, nicht
wie das eines Meeres, sondern wie eines Süsswassersees, kurz
das caspische Meer sei kein Meer, sondern ein See, ein See
wie die Maeotis und mit diesem im Zusammenhang. Strabon
trennt nun wol Maeotis und caspisches Meer von einander,
und der Tanais der Truppen Alexanders heisst ihm Jaxartes,
wie ihn die Eingebornen nannten, und er wirft ihn nicht mit
dem Tanais in Europa zusammen, wie Polykleitos und Andere,
aber im übrigen ist er seinen Vorlagen doch gefolgt und
diese hatten auf Grund von unzureichenden Nachfragen falsches
und wahres gemischt, wie einst Herodotos über den Araxes.
Pomponius Mela führt den Jaxartes, den seine Quellen
schon zum wasserreichen Strome machen, in den skythischen
Golf des caspischen Meeres. 1 Das Excerpt des Plinius über den
Jaxartes fliesst nicht reichlicher als das über den Oxus. Er ist