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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Aralseefrage.

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tritt  10  Werst  unterhalb  Ak-Mesched  auf,  wo  sich  der  Jangi
Derja  abzweigt  und  ein  Bett  bildet,  das  bis  zum  Aral  fortsetzt.
Zehn  Werst  unterhalb  dieser  Theilung  beginnt  die  zweite,  in
die  Arme  des  östlichen  Kara-Uzak  und  westlichen  Jaman-Sir.
Diese  Spaltung  hört  aber  beim  Fort  Kosch-Kurgän  wieder  auf.
Bald  nach  der  zweiten  Theilung  geht  vom  Jaman-Sir  links  ein
Arm  ab,  der  Tschirgeli  oder  Kuwan-derja,  der  sich  mehrfach
spaltet  und  bei  Chodschä-Nijäs  wieder  in  ein  Bett  versammelt.
Gerade  hier  aber  setzt  ein  Damm  dann  seiner  ferneren  Fortsetzung ­
  ein  Ziel  und  nur  als  trockene  Stromfurche  verlängert
sich  der  Kuwan-derjä  bis  zum  Aral,  den  er  einst  gegenüber
einer  Inselschar  nördlich  von  45"  d.  Br.  in  mehreren  Mündungen ­
  erreichte.
Der  Hauptfluss  setzt  als  ein  windungsreicher  Strom,  dessen
Ueberschwemmungen  zahlreiche  Sümpfe  und  Seen  neben  den
Ufern  bilden,  bis  unterhalb  Fort  Raim  (Aralsk)  foyt.  Gegenüber ­
  der  Insel  Kos  (Kos  Aral)  gewinnt  er  den  See,  mit  dem
er  sich  in  zwei  Ausflüssen  vereinigt;  bedeutend  ist  allein  der
nördliche,  die  seichten  Wasser  des  südlichen  sind  vom  Schilf
überwuchert. 1
Der  jetzt  fast  trockene  Kuwan-derja  soll  in  den  letzten
Jahrzehnten  des  vorigen  Jahrhunderts  sehr  mächtig,  ja  stärker
als  der  Sir  gewesen  sein,  sodann  war  der  südliche  Arm  des
Sir  der  Hauptausfluss,  jetzt  ist  er  verschlammt  und  wasserarm
und  die  Wasser  rinnen  durch  den  nördlichen  Arm.  Der  östlichste ­
  aller  Arme,  der  Jangi  Derja  (Dschan  derja),  bildete  sich,
wenn  wir  den  Angaben  aus  Kirgisenmunde  glauben  dürfen,
erst  in  neuer  Zeit,  1740  wurde  er  noch  nicht  gesehen  oder
übersehen,  zwischen  1760  und  1770  soll  er  entstanden  sein.
Im  J.  1816  zeigte  er  ansehnliche  Verhältnisse,  1820  war  er
schon  wieder  trocken  geworden,  seit  1848  soll  er  wieder  im
Anschwellen  begriffen  sein. 2  Die  Ursachen  mögen  dieselben
sem,  wie  die,  welche  die  periodische  Beleibtheit  des  Scharkrauk
herbeiführen.

1  Boutakoff.  Lettre  a  Mr.  de  Humboldt  1849.  Briefwechsel  mit  Berghaus
3,  256—266.  Maksejev,  Opisanie  AraJjskago  morja.  Zapiski  geogr.  obscestva.
  St.  Peterburg  1851.  5,  56.
2  Petermann’s  geograph.  Mittheil.  '1856,  S.  283.
            
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