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R oesler.
falsch, noch die andere ganz richtig. Die Nachrichten sind, um
es mit einem Worte zu sagen, unvollständig für die Zeit
vom 14. bis zum 17. Jahrhundert, sie sind es allem Vermuthen
nach immer gewesen, ein halbes Jahrtausend v. Chr. wie in
allen folgenden Jahrhunderten später. Diese Annahme der Unvollständigkeit
aller Nachrichten gibt wenigstens den Schlüssel
zur Auflösung der ganzen lange hingeschleppten Verwirrung.
Ich gebe mich nicht der Hoffnung hin, als ob die Ansicht,
die ich hier entwickeln will, mehr sein könnte als eine Hypothese;
aber es ist eine Hypothese, welche die Schwierigkeiten, die bis
zum Augenblicke von Allen gefühlt wurden, vollkommen beseitigt.
Der Oxus erreichte schon im frühen Alterthum, d. i. für
uns hier die Zeit des Hecatäos und Herodotos, die Niederung
im Norden der Culturoase von Chorasmia und floss in den
dortigen See, ein anderer ansehnlicher Arm desselben aber
folgte der Furche, welche sich ihm im Süden des Tschink, des
Randes, mit welchem der Ust-jurt zum Tieflande übergeht, darbot
und ergoss sich in den Balkanbusen des caspischen Meeres.
Ob es der ansehnlichere Theil des Wassers war, das diesen Weg
nahm, lässt sich so wenig sagen, wie, ob er durchaus in einem
Strome rann, oder noch vor seiner Mündung in das caspische
Meer mehrere inselbildende Theilungen 1 erlitt. Dieser allem
Anschein nach einst mächtige caspische Arm — jetzt heisst er
Sarkrauk im oberen, Usboi im unteren Abschnitt — galt den
Alten aus Unbekanntschaft mit dem transoxianischen Lande als
der einzige Auslauf des Oxus, galt für den Oxus schlechthin. Der
kriegerische Geist der an seinem rechten Unterlande und Mündungsgebiete
sitzenden Massageten, 2 der durch die Wüste erschwerte
Verkehr mit den ganz isolirten Chorasmiern, die wahrscheinlich
schon früh zur Sesshaftigkeit übergingen, verhinderte
Griechen und Römer an genaueren Ermittlungen. Alexander der
Grosse, der Einzige unter den Alten, der sich mit der Idee
trug, den „Anfang“, d. h. den Norden des caspischen Meeres zu
1 Solche lässt die Kartenskizze vermuthen, welche E. G. Ravenstein nach
den Recognoscirungen des Capitäns Skobelev entworfen hat. Ocean Highways,
April 1873, und H. Kieperts Karte zu F, Marthe, Russische Recognoscirungen
in der Türkmenensteppe. Zeitsehr. d. Ges. für Erdkunde zu
Berlin 1873, S. 71—90.
2 S. den Anhang über den Araxes.