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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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R  oesler.

falsch,  noch  die  andere  ganz  richtig.  Die  Nachrichten  sind,  um
es  mit  einem  Worte  zu  sagen,  unvollständig  für  die  Zeit
vom  14.  bis  zum  17.  Jahrhundert,  sie  sind  es  allem  Vermuthen
nach  immer  gewesen,  ein  halbes  Jahrtausend  v.  Chr.  wie  in
allen  folgenden  Jahrhunderten  später.  Diese  Annahme  der  Unvollständigkeit ­
  aller  Nachrichten  gibt  wenigstens  den  Schlüssel
zur  Auflösung  der  ganzen  lange  hingeschleppten  Verwirrung.
Ich  gebe  mich  nicht  der  Hoffnung  hin,  als  ob  die  Ansicht,
die  ich  hier  entwickeln  will,  mehr  sein  könnte  als  eine  Hypothese;
aber  es  ist  eine  Hypothese,  welche  die  Schwierigkeiten,  die  bis
zum  Augenblicke  von  Allen  gefühlt  wurden,  vollkommen  beseitigt.
Der  Oxus  erreichte  schon  im  frühen  Alterthum,  d.  i.  für
uns  hier  die  Zeit  des  Hecatäos  und  Herodotos,  die  Niederung
im  Norden  der  Culturoase  von  Chorasmia  und  floss  in  den
dortigen  See,  ein  anderer  ansehnlicher  Arm  desselben  aber
folgte  der  Furche,  welche  sich  ihm  im  Süden  des  Tschink,  des
Randes,  mit  welchem  der  Ust-jurt  zum  Tieflande  übergeht,  darbot ­
  und  ergoss  sich  in  den  Balkanbusen  des  caspischen  Meeres.
Ob  es  der  ansehnlichere  Theil  des  Wassers  war,  das  diesen  Weg
nahm,  lässt  sich  so  wenig  sagen,  wie,  ob  er  durchaus  in  einem
Strome  rann,  oder  noch  vor  seiner  Mündung  in  das  caspische
Meer  mehrere  inselbildende  Theilungen 1  erlitt.  Dieser  allem
Anschein  nach  einst  mächtige  caspische  Arm  —  jetzt  heisst  er
Sarkrauk  im  oberen,  Usboi  im  unteren  Abschnitt  —  galt  den
Alten  aus  Unbekanntschaft  mit  dem  transoxianischen  Lande  als
der  einzige  Auslauf  des  Oxus,  galt  für  den  Oxus  schlechthin.  Der
kriegerische  Geist  der  an  seinem  rechten  Unterlande  und  Mündungsgebiete ­
  sitzenden  Massageten, 2  der  durch  die  Wüste  erschwerte ­
  Verkehr  mit  den  ganz  isolirten  Chorasmiern,  die  wahrscheinlich ­
  schon  früh  zur  Sesshaftigkeit  übergingen,  verhinderte
Griechen  und  Römer  an  genaueren  Ermittlungen.  Alexander  der
Grosse,  der  Einzige  unter  den  Alten,  der  sich  mit  der  Idee
trug,  den  „Anfang“,  d.  h.  den  Norden  des  caspischen  Meeres  zu
1  Solche  lässt  die  Kartenskizze  vermuthen,  welche  E.  G.  Ravenstein  nach
den  Recognoscirungen  des  Capitäns  Skobelev  entworfen  hat.  Ocean  Highways, ­
  April  1873,  und  H.  Kieperts  Karte  zu  F,  Marthe,  Russische  Recognoscirungen
  in  der  Türkmenensteppe.  Zeitsehr.  d.  Ges.  für  Erdkunde  zu
Berlin  1873,  S.  71—90.
2  S.  den  Anhang  über  den  Araxes.
            
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