Die Araleeefrage.
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gekehrt sei und durch vier Jahrhunderte in Gabeltheilung mit
beiden Meeren sich vermischt habe. A. v. Humboldt hat diese
Doppelmündung auch bis in das 17. Jahrhundert angenommen.
Neben diesen Zeugnissen, welche die Bifluenz behaupten, gibt
es aber einige andere, welche sie mit grösserer oder geringerer
Bestimmtheit für das 15., 16. und 17. Jahrhundert ausschliessen.
Zunächst der Bericht des Engländers A. Jenkinson, der 1559
bemerkt, dass das Wasser des Oxus früher in dieses Meer
(das caspische) gemündet habe, sich aber zu seiner Zeit nur
in das einzige Becken des Aral ergiesse. Jenkinson erfuhr also
von dem früheren Laufe, aber er vernahm weder, dass der Fluss
zum Theil in das caspische Becken abfliesse, noch wann er
dies zu thun aufgehört habe. Es war also kein Ereigniss, das
in der Erinnerung der Menschen noch fortlebte. Wenn also Abul-Ghazi
Bahadur Chan schreibt, dreissig Jahr vor 1605, also um
1575, sei ein Dschihünarm noch zum Caspisee geflossen, so
widerlegt ihn das Zeugniss des Reisenden Jenkinson, der 1559
von Mangischlak nach Alt-Urgendsch reisend, von der caspischen
Mündung als von einem früheren Vorgänge hörte.
Um 1743 wurde im Lande des Oxus versichert, dass die
Wasser des Dschihün seit ungefähr hundert Jahren aufgehört
haben, sich in die Balkanbucht zu ergiessen. 1 Sollen wir nun
etwa annehmen, dass der Oxus ab und zu im Laufe von einigen
Jahrzehnten seinen Lauf jetzt zum Aral und dann wieder zum
Caspisee genommen habe? Oder sollen wir glauben, dass die
ganze Nachricht von der Doppelmündung durch die zweifache
Autorität hervorgerufen wurde, mit welcher der alte Ptolemaeos
und die zuversichtlichen Behauptungen der arabischen Geographen
auf einige Compilatoren einwirkte. In die Alternative
gestellt, entweder dem in mythischem Ruhme strahlenden Ptolemaeos
Unrecht zu geben, oder etwa Istachri und Edrisi zu verwerfen,
hätten sie beide miteinander combinirt und eine zweifache
Mündung angenommen ?
Keines von beiden. AVeder ist der Oxus vom 14. bis
in das 17. Jahrhundert jemals in das caspische Meer geflossen,
noch ist er mit seinem ganzen Wassergehalte in das
aralische Becken gegangen, weder ist die eine Nachricht ganz
J Hanway’s ßeise cit. bei A. vi Humboldt, Centralasien 1, 498.