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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Roes  ler.

Soweit  das  Alterthum,  d.  i.  die  Zeit  bis  zum  Ende  des
vierten  Jahrhunderts,  über  welches  hinaus  uns  keine  selbständigen ­
  geographischen  Nachrichten  vorliegen.  Der  Gesichtskreis ­
  der  byzantinischen  Schriftsteller  endet  am  Westufer  des
caspischen  Meeres,  darüber  hinaus  wissen  sie  nichts,  der  Oxus
und  Jaxartes  und  alles  Land  herum  sind  ihnen  völlig  fremd,
der  Gesandtschaftsbericht  Menanders  steht  wie  eine  Oase  inmitten ­
  der  grossen  Wüste.  Und  auch  Menander  bereichert  unsere
Kenntniss  über  den  Oxuslauf  nicht  im  geringsten.  1  Sehen  wir
nun,  was  die  Morgenländer  seit  dem  Aufleben  einer  neuen
eigentliümlichen  Kultur  bei  ihnen  von  unserem  Strome  wissen.
Der  älteste  von  den  uns  erhaltenen  Geographen  der  Araber
ist  Abu  Ishak  el  Farsi  el  Istachri  der  zwischen  915  und  921
schrieb. 2  Der  Oxus,  den  die  Araber  Dschihün  nennen,  fliesst
nach  ihm  an  zahlreichen  Städten  vorbei,  bis  er  nach  Chärezm
gelangt.  Und  keines  der  Länder  hat  Nutzen  von  ihm,  ausgenommen ­
  eben  Chärezm,  weil  dieses  niedriger  als  er  selbst  liegt.
Dann  sinkt  er  von  Chärezm  in  die  Niederung  hinab  und  ergiesst
sich  in  einen  See,  den  man  den  See  von  Chärezm  nennt.
Zwischen  diesem  und  Chärezm  (d.  i.  der  Stadt  dieses  Namens,)
damals  Käth  liegen  sechs  Tagereisen.  —  Der  Dschihün  erreicht
den  See  von  Chowarezm  an  einer  Stelle,  wo  Fischer  wohnen,
aber  kein  Dorf  und  kein  Gebäude  ist;  diese  Stelle  heisst  Cliildschan
  (Chalidschan).  Von  einem  Einströmen  in  das  caspische
Meer  ist  Istachri  nichts  bekannt.  Auch  bei  der  Beschreibung
der  Ostküste  des  caspischen  oder  Chazarenmeeres,  wie  die
Araber  es  benannten,  gedenkt  er  mit  keiner  Silbe  des  Oxus.
Wie  er  sich  ausdrückt:  Von  Abeskun  rechts  (d.  i.  östlich)  bis
zu  den  Chazaren  giebt  es  an  der  Küste  des  Meeres  keine  Stadt
und  kein  Dorf,  mit  Ausnahme  eines  Ortes,  welcher  50  Parasangen
  von  Abeskun  liegt  und  Deliistän  heisst.  Der  Ort  bildet
eine  Landzunge,  und  man  fährt  auf  Schiffen  dahin.  Nach  diesem
Orte  fahren  viele  Bewohner  der  Umgegend  des  Fischfanges
1  Geograplii  graeci  minor.  ed.  C.  Müller  1.
2  Kazwini  hatte  eine  reichere  Handschrift  der  alten  jetzt  unter  dem  Namen
el  Istachris  gehenden  Quelle  vor  sich  als  wir  in  dem  von  Dr.  J.  H.
Moeller  herausgegebenen  und  übersetzten  Texte.  Die  Stelle  über  den
Oxus  s.  Buch  der  Länder,  Hamb.  1845,  S.  127.  128.  —  Bei  El-Kazwini,
Kosmographie,  übersetzt  von  Eth6  1,  362.
            
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