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Roes ler.
Soweit das Alterthum, d. i. die Zeit bis zum Ende des
vierten Jahrhunderts, über welches hinaus uns keine selbständigen
geographischen Nachrichten vorliegen. Der Gesichtskreis
der byzantinischen Schriftsteller endet am Westufer des
caspischen Meeres, darüber hinaus wissen sie nichts, der Oxus
und Jaxartes und alles Land herum sind ihnen völlig fremd,
der Gesandtschaftsbericht Menanders steht wie eine Oase inmitten
der grossen Wüste. Und auch Menander bereichert unsere
Kenntniss über den Oxuslauf nicht im geringsten. 1 Sehen wir
nun, was die Morgenländer seit dem Aufleben einer neuen
eigentliümlichen Kultur bei ihnen von unserem Strome wissen.
Der älteste von den uns erhaltenen Geographen der Araber
ist Abu Ishak el Farsi el Istachri der zwischen 915 und 921
schrieb. 2 Der Oxus, den die Araber Dschihün nennen, fliesst
nach ihm an zahlreichen Städten vorbei, bis er nach Chärezm
gelangt. Und keines der Länder hat Nutzen von ihm, ausgenommen
eben Chärezm, weil dieses niedriger als er selbst liegt.
Dann sinkt er von Chärezm in die Niederung hinab und ergiesst
sich in einen See, den man den See von Chärezm nennt.
Zwischen diesem und Chärezm (d. i. der Stadt dieses Namens,)
damals Käth liegen sechs Tagereisen. — Der Dschihün erreicht
den See von Chowarezm an einer Stelle, wo Fischer wohnen,
aber kein Dorf und kein Gebäude ist; diese Stelle heisst Cliildschan
(Chalidschan). Von einem Einströmen in das caspische
Meer ist Istachri nichts bekannt. Auch bei der Beschreibung
der Ostküste des caspischen oder Chazarenmeeres, wie die
Araber es benannten, gedenkt er mit keiner Silbe des Oxus.
Wie er sich ausdrückt: Von Abeskun rechts (d. i. östlich) bis
zu den Chazaren giebt es an der Küste des Meeres keine Stadt
und kein Dorf, mit Ausnahme eines Ortes, welcher 50 Parasangen
von Abeskun liegt und Deliistän heisst. Der Ort bildet
eine Landzunge, und man fährt auf Schiffen dahin. Nach diesem
Orte fahren viele Bewohner der Umgegend des Fischfanges
1 Geograplii graeci minor. ed. C. Müller 1.
2 Kazwini hatte eine reichere Handschrift der alten jetzt unter dem Namen
el Istachris gehenden Quelle vor sich als wir in dem von Dr. J. H.
Moeller herausgegebenen und übersetzten Texte. Die Stelle über den
Oxus s. Buch der Länder, Hamb. 1845, S. 127. 128. — Bei El-Kazwini,
Kosmographie, übersetzt von Eth6 1, 362.