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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Roes  1er.

zu  der  Gegend,  in  welcher  er  das  ,äusserste  Alexandria'
gründete,  war  beschwerlich  und  blutig  genug  gewesen  und  er
begnügte  sich  gern  mit  den  Erfolgen,  welche  ihn  bis  etwa
Chodschend  am  Jaxartes  gelangen  Hessen.  Was  am  besten  beweist, ­
  dass  wenigstens  der  Unterlauf  des  Jaxartes  nie  von  einem
Makedonier  besucht  worden  ist,  ist  folgender  Umstand.  Neunzehn ­
  Jahre  vor  Ankunft  Alexanders  in  Sogdiana  hat  Aristoteles
in  seinen  Meteorologica  die  Nachricht  niedergeschrieben,  dass
der  Tanais  ein  Gabelarm  des  Araxes  sei,  der  vom  Paropanisos
komme,  und  sich  in  den  mäotischen  See  ergiesse.  Die  Vorstellung, ­
  dass  .der  Jaxartes  der  sich  in  die  Maeotis  ergiessende
Tanais  sei,  brachten  die  Makedonier  und  ihr  König  aus  Griechenland ­
  nach  Asien  1  und  hielten  sie  hier  nicht  nur  fest,  sondern
gaben  ihr  neues  Gewicht.  Ein  Besuch  des  Mündungslandes  vom
Jaxartes  hätte  aber  das  ganz  Unmögliche  dieser  geographischen
Vorstellung  sogleich  an  den  Tag  bringen  müssen.  Alexander  war
bei  Erkundigungen  in  Turan  auf  die  Aussagen  der  den  Makedoniern ­
  feindseligen  Einwohner  des  zum  grossen  Tlieil  unwirklichen
Landes  beschränkt.  Diese  Aussagen,  so  unvollständig  sie  auch  sein
mussten,  wären  gewiss  immer  noch  sehr  werthvoll,  wenn  sie  uns
in  der  ursprünglichen  Form  überliefert  vorlägen.  Allein  sie  wurden
wol  sogleich  mit  subjectiven  Voraussetzungen  und  Combinationen
  vermischt.  Ueberdies  schrieb  Aristobulos,  der  am  meisten
auf  das  Geographische  achtete,  in  seinem  84.  Lebensjahre,  als
die  Erinnerung  schon  verblasst  sein  musste.  Er  sowie  die
Historiai  des  Polykleitos,  die  Aufzeichnungen  des  Patrokles,  der
unter  Seleukos  und  Antiochos  eine  Zeit  lang  auf  dem  caspischcn
Meere  stationirte,  sind  für  uns  verloren.  Aus  Patrokles  und
Aristobulos  vornehmlich  schöpfte  Eratostlienes  (f  194  v.  Chr.),
aus  diesem  erst  Strabon,  der  die  Beiden  vielleicht  nur  aus
Citaten  bei  Eratostlienes  kannte.

1  Es  ist  daher  irrig,  wenn  Droysen  (Alexander  des  Grossen  Züge  durch
Turan,  Rheinisches  Museum  Bonn  1834  S.  89)  behauptet:  „es  mag  bei  der
Masse  des  makedonischen  Heeres  wohl  der  Glaube  gegolten  haben,  von
diesem  Flusse  (Jaxartes-Tanais)  sei  es  nun  nicht  mehr  weit  zur  Heimath.
Alexander  aber  musste  diesen  Irrthum,  den  verbreitet  zu  sehen  ihm  in
mancher  Hinsicht  erwünscht  sein  mochte,  sehr  wohl  erkannt  haben;  dafür
sprechen  seine  Unterhandlungen  mit  dem  Chorasmierkönig  in  Bezug  auf
den  später  zu  unternehmenden  scythischen  Feldzug.“
            
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