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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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R  o  e  s  1  e  r.

zum  Glück  in  der  Lage,  den  Beweis  auf  festerer  Basis  zu  führen;
es  lässt  sich  auch  aus  unseren  Bruchstücken  der  reichen  geographischen ­
  Literatur  der  Alten  bis  zu  höchster  Wahrscheinlichkeit ­
  darthun,  dass  sie  unter  dem  Araxes  niemals  den
Jaxartes  verstanden,  es  bleibt  trotz  der  Missverständnisse,  die
sich  eingeschlichen  haben,  immer  noch  der  Oxus  zu  erkennen.
Der  Beweis  soll  aber  erst  im  Anhang  geführt  werden,  weil
dieser  Punkt  von  keinem  wesentlichen  Einfluss  auf  den  Gang
der  vorliegenden  Untersuchung  ist.
Strabon,  der  nächste  der  Geographen  nach  Herodotos,  der
uns  erhalten  ist,  hat,  wo  er  vom  Araxes  spricht,  Herodotos  vor
sich  und  ist  ihm  augenscheinlich  gefolgt: 1  Besonders  soll  der
in  viele  Arme  getheilte  Fluss  Araxes  das  Land  (der  Massageten)
bewässern,  welcher  mit  seinen  übrigen  Mündungen  in  das  nördliche ­
  Meer  und  nur  mit  einer  in  den  hyrkanischen  Busen  fällt.
Strabon  ist  aber  dort,  wo  er  von  dem  Oxus  spricht, 2  ohne
Ahnung,  dass  dieser  der  Araxes  sein  müsse,  von  dem  er  sonst
meldet.  Er  hat  aber  den  herodoteischen  Bericht  vom  Araxes  noch
verderbt,  indem  er  die  Combinationen  seiner  Zeit,  die  dem  Herodotos ­
  völlig  fremd  waren,  hineinmischte.  Eine  solche  auf  Combination
  beruhende  Behauptung  ist  es,  dass  die  vielen  Mündungen ­
  des  Araxes  in  das  nördliche  Meer,  d.  i.  in  den  Polarocean
  gehen,  den  sich  Strabon  und  die  Späteren  fälschlich  in
nächster  Nachbarschaft  des  caspischen  Meeres  vorstellten.  Herodotos, ­
  der  seinen  vielarmigen  Araxes  in  Sümpfe  auslaufen
lässt,  war  der  Wahrheit  näher  geblieben.  Sodann  muss  man
sich  wundern,  dass  Strabon  bei  ungleich  grösseren  Kenntnissen
über  diese  Räume  als  Herodot  doch  denselben  Araxes,  der  das
Massagetenland  durchströmt  —  dieses  aber  lag  auch  nach  ihm
ganz  richtig  im  Osten  des  caspischen  Meeres  —  in  den  hyrkanischen
  Busen,  d.  i.  in  den  südlichen  anstatt  in  den  östlichen
oder  skythischen  Busen  münden  lässt,  dass  er  ihm  auf  solche
Weise  einen  ganz  unmöglichen  Lauf  vorschreibt.  Also  auch  bei
Strabon  mischt  sich  noch  in  die  Vorstellung  des  östlichen
Araxes  die  des  armenischen',  der  sich  in  den  hyrkanischen
Busen  ergiesst.

'  S.  812.
2  S.  73,  507,  509,  510,  513,  51t,  516—518.
            
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