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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Die  Aralseefrage.

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nies  Jamüd  an  Einfallen  zu  verhindern,  wehrt  dem  regelmässigen
Wasserablauf  aus  dem  Oxus.  Bei  Chodscheili  gabelt  sich  der
Fluss  wieder  in  den  Kuk-Derjä  oder  Kuwan-Dscharma,  der
nach  seinem  Austritte  aus  dem  von  ihm  gebildeten  See  Tampine
Ajage  den  Namen  Jangi-su,  das  „neue  Wasser“,  empfängt  und
in  einen  westlichen,  nahezu  mit  dem  Laudän  parallel  fliessenden
Arm,  der  die  Benennung  Amu-Derjä  fortführt.  In  der  Nähe  des
Aibugir  angelangt,  bildet  dieser  ein  Knie  und  entsendet  von
den  Ruinen  des  Fort  Altnukuz  einen  Stromzweig,  den  Kara-baili,
nordnordöstlich,  d.  i.  43 l / 3  Meilen  unterhalb  Chodscheili.  Vom
Berge  Kuschkanad  Tau  wendet  sich  der  Kara-baili  zum  See
Airtini-kul  den  er  durchfliesst.  Bald  nach  dem  Austritte  aus
ihm  bifluirt  er,  die  Hauptmasse  des  Wassers  strömt  unter  dem
Namen  Uluk-derjä,  grosses  Wasser,  zum  Aral,  der  andere  rinnt
in  südwestlicher  Richtung  und  fällt  nach  27  engl.  Meilen  Laufs
zum  Taldik  zurück,  so  dass  also  ein  Theil  des  Kara-baili  in
einer  an  den  Blutumlauf  erinnernden  Weise  wieder  in  ihn  zurückkehrt. ­
  Dieser  für  die  Niveauverhältnisse  jenes  Theils  des
Deltas  charakteristische  Fluss  heisst  Kuldun,  seine  Einmündung
in  den  Kara-baili  erfolgt  bei  Kungrat, 1  einem  ansehnlichem  Orte
am  linken  Ufer  des  Stromes.
Bei  dem  erwähnten  Knie,  oberhalb  Fort  Nukuz  schliesst
der  Amu-derjä  eine  nach  Norden  lang-gedehnte  Insel  ein.  Der
die  Insel  östlich  umgrenzende  Arm  entlässt  den  uns  schon  bekannten ­
  Kara-baili,  der  westliche  aber  zwei  Ausflüsse  minderer
Bedeutung,  den  Ivok-derjä  und  den  Kiat  Jargan,  die  nach  kurzem
parallelen  nordwestlichen  Laufe  in  den  Aibugir  münden.  Das
Delta  bildet  eine  von  einzelnen  Berggipfeln  unterbrochene
ausgedehnte  Senkung  zwischen  dem  Ust-jurt  und  der  ansteigenden ­
  Platte  im  Osten  des  Oxus.
Noch  ist  eines  Flusszweiges  zu  gedenken,  der  abweichend
von  allen  übrigen,  so  zu  sagen  deltafugal,  oberhalb  Kuhnd
(d.  i.  Alt-)  Urgendsch  vom  Südufer  des  Laudän  ausgeht  und
sich  südwestlich  am  Rande  des  Tsching- 2  hinzieht.  Er  heisst
1  Dieses  in  seiner  Schreibung  viel  misshandelte  Wort  ist  die  Benennung
eines  Tiirkenstjunmes,  die  wie  viele  andere,  z.  B.  Tekke  Ziegenbock,  nach
Thieren  gewählt  ist.  Kungr-at  oder  genauer  Konghur  at  bedeutet  kastanienbraunes ­
  Pferd.  Armin.  V/nnbery,  History  of  Bokhara,  London  1873,  S.  120.
2  Tsching  bedeutet  im  Turkman.  jedes  Steilufer.

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