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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Roesler.

Für  eine  entfernte  geologische  Periode  füllt  es  mir  so
wenig  ein,  etwas  dagegen  behaupten  zu  wollen,  dass  ich  vielmehr ­
  die  Schlüsse,  zu  welchen  die  Untersuchung  Gr.  v.  Helmersens ­
  gelangt  ist, 1  ihrem  vollem  Inhalte  nach  acceptire.  Diese
Schlüsse  sind  aber  folgende:  Zur  Zeit  als  die  Üst-jurt-Schichten
abgesetzt  wurden,  bildeten  das  caspische  Meer  und  der  Aralsee
ein  gemeinschaftliches  Binnenmeer.  In  der  Mitte  dieses  Meeres
erhob  sich  der  Boden  allmählich  zu  einem  inselartigen  Hochlande, ­
  dem  Üst-jurt,  dessen  Schichten  durch  mehrere  Kennzeichen ­
  lebhaft  an  die  Formation  der  volynisch-podolisclien
Hochebene  erinnern.
Sodann  begann  am  Fusse  des  Üst-jurt  die  Bildung  von
Mergel  und  sandigen  Thonschichten,  in  denen  Seemuscheln  zusammen ­
  mit  Süsswasserthieren  begraben  wurden.  Auch  diese
Absätze,  die  den  unteren  Schichten  des  Üst-jurt  angelagert  sind,
stiegen  allmählich  mit  dem  Hochlande  zusammen  zu  ihrer  gegenwärtigen ­
  Höhe  empor,  olpie  dass  dadurch  eine  völlige  Trennung
der  beiden  Meere  bewirkt  worden  wäre.
Diese  hingen  vielmehr  noch  durch  einen  Meeresann  mit
einander  zusammen  und  behielten  daher  eine  gemeinschaftliche
Fauna.  Es  begann  nun  die  Bildung  der  Schichten  der  vierten
Abtheilung,  die  sich  noch  jetzt  fortbilden  und  Reste  auch  jetzt
in  beiden  Meeren  lebender  Thiere  enthalten.
Endlich  verschwand  dieser  Meeresarm  und  es  trat  eine
vollständige  Trennung  des  caspischen  Meeres  vom  Aralsee  ein.
Jetzt  erst  konnte  der  Oxus  auf  dem  alten  Meeresgründe  seine
Fluthen  zum  caspischen  Meere  rollen,  die  bisher  auf  kürzerer
Bahn  in  das  vereinigte  aralisch-caspische  Becken  geflossen
waren.  Wo  die  Mündungsstelle  in  jener  Zeit  vor  der  Trennung
der  beiden  Seebecken  gewesen,  kann  vermuthet  werden,  sie
lag  vielleicht  oberhalb  der  Orte,  bei  denen  der  Fluss  heute
seine  Theilungen  beginnt.  Das  Parallelogramm  des  heutigen
Deltas  mit  seinem  tieferen  Niveau,  seinen  schilfigen  Salzsümpfen
scheint  ein  Theil  vom  alten  Seegebiete  zu  sein.
1  Ueber  die  geognostische  Beschaffenheit  des  Ust-jurt  und  insbesondere
dessen  östlichen  Abfalles  zum  Aral-See.  Beiträge  zur  Kenntniss  des  russischen ­
  Reiches  15,  269  ff.  Damit  ist  auch  der  Mythus  von  jenem  angeblichen ­
  Erdbeben,  welches  vor  500  Jahren  den  Üst-jurt  soll  emporgehoben
haben,  in  verdienter  Weise  zur  ewigen  Ruhe  gelegt.
            
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