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Roesler.
Für eine entfernte geologische Periode füllt es mir so
wenig ein, etwas dagegen behaupten zu wollen, dass ich vielmehr
die Schlüsse, zu welchen die Untersuchung Gr. v. Helmersens
gelangt ist, 1 ihrem vollem Inhalte nach acceptire. Diese
Schlüsse sind aber folgende: Zur Zeit als die Üst-jurt-Schichten
abgesetzt wurden, bildeten das caspische Meer und der Aralsee
ein gemeinschaftliches Binnenmeer. In der Mitte dieses Meeres
erhob sich der Boden allmählich zu einem inselartigen Hochlande,
dem Üst-jurt, dessen Schichten durch mehrere Kennzeichen
lebhaft an die Formation der volynisch-podolisclien
Hochebene erinnern.
Sodann begann am Fusse des Üst-jurt die Bildung von
Mergel und sandigen Thonschichten, in denen Seemuscheln zusammen
mit Süsswasserthieren begraben wurden. Auch diese
Absätze, die den unteren Schichten des Üst-jurt angelagert sind,
stiegen allmählich mit dem Hochlande zusammen zu ihrer gegenwärtigen
Höhe empor, olpie dass dadurch eine völlige Trennung
der beiden Meere bewirkt worden wäre.
Diese hingen vielmehr noch durch einen Meeresann mit
einander zusammen und behielten daher eine gemeinschaftliche
Fauna. Es begann nun die Bildung der Schichten der vierten
Abtheilung, die sich noch jetzt fortbilden und Reste auch jetzt
in beiden Meeren lebender Thiere enthalten.
Endlich verschwand dieser Meeresarm und es trat eine
vollständige Trennung des caspischen Meeres vom Aralsee ein.
Jetzt erst konnte der Oxus auf dem alten Meeresgründe seine
Fluthen zum caspischen Meere rollen, die bisher auf kürzerer
Bahn in das vereinigte aralisch-caspische Becken geflossen
waren. Wo die Mündungsstelle in jener Zeit vor der Trennung
der beiden Seebecken gewesen, kann vermuthet werden, sie
lag vielleicht oberhalb der Orte, bei denen der Fluss heute
seine Theilungen beginnt. Das Parallelogramm des heutigen
Deltas mit seinem tieferen Niveau, seinen schilfigen Salzsümpfen
scheint ein Theil vom alten Seegebiete zu sein.
1 Ueber die geognostische Beschaffenheit des Ust-jurt und insbesondere
dessen östlichen Abfalles zum Aral-See. Beiträge zur Kenntniss des russischen
Reiches 15, 269 ff. Damit ist auch der Mythus von jenem angeblichen
Erdbeben, welches vor 500 Jahren den Üst-jurt soll emporgehoben
haben, in verdienter Weise zur ewigen Ruhe gelegt.