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Werner.
Species in Wirklichkeit. Da Gott die Dinge vollkommenst
denkt, so sind sie auch im göttlichen Denken nicht etwa bloss
nach ihren allgemeinen, unbestimmten Art- und Gattungsbegriffen,
sondern bis in’s Kleinste gezählt nach ihrem individuellen
Sein vorhanden; der mundus archetypus ist ein bis in’s
Einzelnste durchdachter freischöpferischer Entwurf des Welt-Ganzen,
der durchwegs und in Allem die Bestimmtheit des
absolut freien göttlichen Wollens an sich trägt. Daraus, dass
die Welt in ihrer concret individualisirten Gestaltung genau
diess ist, als was Gott sie denkend wollte, wird man es sich zu
erklären haben, dass nach Wilhelm das intelligible Wesen der
geschaffenen Dinge von uns nur in Gott erkannt werden könne.
Da ferner diese Erkenntniss auf der Eigenheit des Singulären
und Individuellen als solchen, als des eigentlich Seienden gehen
soll, so wird man weiter auch begreifen, wesshalb Wilhelm
das bloss generelle Erkennen, in welchem die Eigenheit des
Individuellen nicht erfasst wird, als Zeichen der Schwäche
und Kurzsichtigkeit unseres menschlichen Denkens nimmt; es
ist also nicht richtig, wenn man 1 in dieser seiner Ansicht vom
generellen Denken einen Widerspruch gegen seine anderweitige
Behauptung, dass der menschliche Intellect ein Spiegel des
Intelligiblen sei, finden will.
Die Richtung auf die geistige Erfassung des Individuellen
als solchen ist ein charakteristischer Grundzug im Denken
Wilhelms; nur vermag diese Richtung seines Denkens zufolge
mancherlei hemmender Ursachen nicht zum vollen Durchbruche
zu gelangen. Ihm selber fehlt noch die Bewusstheit um diesen
Zug seiner Denkrichtung, der sich in entschiedener und bewusster
Weise erst im Gegensätze zum speculativen Peripatetismus
der Scholastik hervorbilden konnte. Hätte er einige
Jahrhunderte später gelebt, so würde vielleicht der Leibnitz'sche
Individualismus seine Aufmerksamkeit sehr lebhaft beschäftiget
haben. Er betont den Gedanken des Allgemeinen nicht mehr,
als es ihm nöthig scheint, um die objective Wahrheit und
Giltigkeit desselben zu wahren. Für diese tritt er nun allerdings
entschiedenst ein; der Art- und Gattungsbegriff sind ihm
objectiv wahre Gedanken, die der Mensch so gewiss denken
1 Vgl. Prantl, Gesch. d. Logik Bd. III, S. 77.