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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Werner.

einen  andern  Erfolg',  als  unsere  eigene  Schädigung  hätte.  Auch
ist  selbst  unser  Vermögen,  dein  göttlichen  Willen  unser  Herz
zu  verschliessen,  ein  sehr  beschränktes,  welches  Gott,  wofern
und  soweit  er  diess  will,  durch  die  Macht  seines  Gnadenwillens
bewältigen  kann.  In  dieser  Weise  also,  auf  dem  Wege  der
christlich-theologischen  Reflexion,  überwindet  Wilhelm  die  im
christlichen  Weltalter  nachklingenden  Lehren  des  antiken  Fatalismus; ­
  in  dieser  Weise  verfährt,  er  allenthalben,  und  ohne
selber  Philosoph  zu  sein,  begnügt  er  sich  durchwegs  mit  einer
vom  christlich-theologischen  Standpunkte  vorgenommenen  Rectitication
  dessen,  was  ihm  an  den,  die  Schulen  seines  Zeitalters
beschäftigenden  Lehren,  Meinungen  und  Anschauungen  älteren
und  jüngeren  Ursprunges  bedenklich,  anstössig  und  verfehlt
erscheint.
Kehren  wir  nochmals  zu  Wilhelms  Polemik  gegen  die
Lehre  von  der  Weltseele  zurück,  um  daran  die  Charakteristik
seiner  Stellung  in  der  das  Mittelalter  bewegenden  Universalienfrage ­
  anzuknüpfen.  Dass  er  einem  extremen  Realismus  nicht
zugethan  sein  konnte,  geht  schon  aus  seiner  oben  angeführten
Ausdeutung  der  platonischen  Ideenlehre  hervor.  Gegen  die
Annahme  einer  Seele  des  Universums  wendet  er  ein, 1  dass  ihr
zufolge  alle  Einzelseelen  nur  Besonderungen  dieser  Gemeinseele ­
  sein  könnten  und  demnach  die  Seele  Plato’s  und  die
Seele  des  Sokrates  im  Wesen  eine  und  dieselbe  Seele  wären.
Daraus  würde  weiter  folgen,  dass  es  überhaupt  keine  Substanzunterschiede, ­
  und  im  Zusammenhänge  damit  auch  keine
Generation  und  Corruption  d.  i.  Bildung  und  Auflösung  der
Substanzen,  sondern  bloss  Alterationen  d.  i.  Wandlungen  der
Dinge  in  accidenteller  Beziehung  gebe,  und  daher  auch  die
Individuen  einer  Species  nur  zufolge  ihrer  accidenteilen  Verschiedenheiten ­
  eine  numerische  Mehrheit  constituirten.  Allerdings ­
  sind  wir  Zeitmenschen  in  dieser  irdischen  Dämmerregion
zufolge  unseres  beschränkten  und  verdunkelten  geistigen  Erkennens
  daran  gewiesen,  die  Dinge  nach  den  Unterschieden  ihrer
zufälligen  äusseren  Merkmale  von  einander  zu  unterscheiden;
in  den  Stand  der  himmlischen  Glorie  eingerückt  würden  wir
jedes  Einzelding  im  tiefsten  Grunde  seines  Eigenwesens

3  De  (Jniv.  I,  Ps.  3,  c.  29.
            
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