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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Wilhelms  von  Auvergne  Verhältniss  zu  den  Platonikern  des  XII.  Jahrhunderts.  JßS

der  geistigen  Welt  verwiesen,  und  nicht  bewiesen,  dass  dasjenige, ­
  was  geschieht,  nicht  wirklich  geschehen  müsse  oder
dass  es  auch  anders  geschehen  könnte,  da  denn  doch  durchaus ­
  nichts  gegen  den  allbestimmenden  Willen  dos  Schöpfers
geschehen  soll.  Aber  dieser  allbestimmende  Wille,  bemerkt
Wilhelm  hierüber,  hat  den  gegenwärtigen  Lauf  der  Weltdinge
nicht  so  determinirt,  dass  derselbe  ein  unveränderlicher,  ewiger
wäre;  die  gegenwärtigen  Bewegungen  des  Himmels  werden
nicht  ewig  dauern,  und  wenn  Engelkräfte  die  Beweger  der
Himmelssphären  sein  sollten,  so  werden  sie  gewiss  einst,  dem
Willen  des  Schöpfers  gemäss,  ihre  motorischen  Einwirkungen
auf  die  Sphären  einstellen.  Wilhelm  will,  man  möge  hieraus
erkennen,  dass  nicht  nur  Vieles  anders  sein  könne,  als  es
gegenwärtig  ist,  sondern  dereinst  auch  anders  sein  werde.
Das  Wollen  des  Menschen  ist  als  solches  jeder  Nöthigung
entzogen;  einem  Zwange  oder  einer  Nöthigung  kann  der  Mensch
bloss  in  der  Ausführung  und  Inswerksetzung  des  von  ihm  Gewollten ­
  unterliegen.  Er  ist  im  gegenwärtigen  Stande  der  gefallenen ­
  Natur  als  Körperwesen  der  Herrschaft  des  Zwanges
unterthan  worden,  dieser  Zwang  hebt  jedoch  die  Fähigkeit
des  selbsteigenen  Wollens  nicht  auf.  Wilhelm  wirft  sich  selber
die  Frage  auf,  ob  wir  nicht,  da  wir  die  causa  prima  alles
Geschehens  nicht  in  unserer  Macht  haben,  allem  Geschehen
gegenüber  absolut  machtlos  seien,  so  dass  wir  nichts  von  dem,
was  geschieht,  erwirken  oder  abwenden  können?  Das  Resultat
seiner  hierüber  angestellten  Erörterung  ist,  dass  wir  allerdings
das  durch  den  Willen  der  causa  prima  bestimmte  Geschehen
in  keiner  Weise  hindern,  ändern  oder  modificiren  können,
dass  wir  vielmehr  selber  ganz  und  gar  der  Macht  jenes  Einen
höchsten  Willens  anheim  gegeben  und  von  demselben  schlechthin ­
  abhängig  sind.  Wir  haben  jedoch  das  von  Gott  uns  verliehene ­
  Vermögen,  den  von  unserem  Wollen  und  Zuthun  unabhängigen ­
  Lauf  der  Dinge  für  uns  unschädlich  oder  nützlich
zu  machen;  dieses  Vermögen  reicht  soweit,  als  Gott  in  seiner
Weisheit  es  reichen  lassen  wollte,  und  indem  wir  es  ausbeuten,
handeln  wir  eben  nur  als  Organe  und  Executoren  des  göttlichen ­
  Willens.  So  tritt  also  an  die  Stelle  des  Schicksals  die
Allherrschaft  des  göttlichen  Willens,  gegen  die  wir  uns  allerdings ­
  auflehnen  können;  aber  nicht  so,  dass  diese  Auflehnung
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