Wilhelms von Auvergne Verhältniss zu den Platonikern des XII. Jahrhunderts. JßS
der geistigen Welt verwiesen, und nicht bewiesen, dass dasjenige,
was geschieht, nicht wirklich geschehen müsse oder
dass es auch anders geschehen könnte, da denn doch durchaus
nichts gegen den allbestimmenden Willen dos Schöpfers
geschehen soll. Aber dieser allbestimmende Wille, bemerkt
Wilhelm hierüber, hat den gegenwärtigen Lauf der Weltdinge
nicht so determinirt, dass derselbe ein unveränderlicher, ewiger
wäre; die gegenwärtigen Bewegungen des Himmels werden
nicht ewig dauern, und wenn Engelkräfte die Beweger der
Himmelssphären sein sollten, so werden sie gewiss einst, dem
Willen des Schöpfers gemäss, ihre motorischen Einwirkungen
auf die Sphären einstellen. Wilhelm will, man möge hieraus
erkennen, dass nicht nur Vieles anders sein könne, als es
gegenwärtig ist, sondern dereinst auch anders sein werde.
Das Wollen des Menschen ist als solches jeder Nöthigung
entzogen; einem Zwange oder einer Nöthigung kann der Mensch
bloss in der Ausführung und Inswerksetzung des von ihm Gewollten
unterliegen. Er ist im gegenwärtigen Stande der gefallenen
Natur als Körperwesen der Herrschaft des Zwanges
unterthan worden, dieser Zwang hebt jedoch die Fähigkeit
des selbsteigenen Wollens nicht auf. Wilhelm wirft sich selber
die Frage auf, ob wir nicht, da wir die causa prima alles
Geschehens nicht in unserer Macht haben, allem Geschehen
gegenüber absolut machtlos seien, so dass wir nichts von dem,
was geschieht, erwirken oder abwenden können? Das Resultat
seiner hierüber angestellten Erörterung ist, dass wir allerdings
das durch den Willen der causa prima bestimmte Geschehen
in keiner Weise hindern, ändern oder modificiren können,
dass wir vielmehr selber ganz und gar der Macht jenes Einen
höchsten Willens anheim gegeben und von demselben schlechthin
abhängig sind. Wir haben jedoch das von Gott uns verliehene
Vermögen, den von unserem Wollen und Zuthun unabhängigen
Lauf der Dinge für uns unschädlich oder nützlich
zu machen; dieses Vermögen reicht soweit, als Gott in seiner
Weisheit es reichen lassen wollte, und indem wir es ausbeuten,
handeln wir eben nur als Organe und Executoren des göttlichen
Willens. So tritt also an die Stelle des Schicksals die
Allherrschaft des göttlichen Willens, gegen die wir uns allerdings
auflehnen können; aber nicht so, dass diese Auflehnung
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