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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Wilhelms  von  Auvergne  Verliältniss  zu  den  Platonihern  des  Xlf.  Jahrhunderts.  Jßl

so  in’s  Endlose  fort. 1  Wilhelm  gestellt  selber,  dass  Origenes
derlei  nicht  gelehrt  haben  könne,  nimmt  aber  davon  Anlass,
die  Bedeutung  der  christlichen  Auferstehungslehre  in’s  Licht
zu  setzen.  Es  handelt  sich  natürlich  für  ihn  darum,  zu  zeigen,
dass,  da  der  Leib  zum  Wesen  des  Menschen  gehört,  die  Einsenkung ­
  der  Seele  in  den  Körper  nicht  als  ein  Strafgeschick,
und  die  Vergesellschaftung  der  Seele  mit  dem  Leibe  nicht  als
ein  Hemmniss  und  eine  Fessel  der  vollkommensten  und  höchsten ­
  Geistesthätigkeit  angesehen  werden  könne;  dass  demzufolge ­
  nichts  hindere,  die  Seele  auch  in  ihrer  himmlischen
Seligkeit  mit  dem  Leibe  vereinigt  zu  denken,  und  dass  überdiess
diese  Verbindung  als  eine  unlösliche  gedacht  werden  müsse,
womit  von  selber  die  Möglichkeit  einer  endlos  sich  wiederholenden ­
  Reihe  neuer  Einkörperungen  hinwegfällt.  Die  christliche ­
  Auferstehungslehre  hängt  eben  auf  das  Engste  mit  der
Lehre  von  einer  endgiltigen  absoluten  Weltvollendung  zusammen; ­
  gehört  der  Leib  zum  Wesen  des  Menschen,  so  wird  der
in  Gott  vollendete  Mensch  einen  der  vollendeten  und  verklärten
Natur  entsprechenden  Leih  haben  müssen,  und  umgekehrt  involvirt
  die  Auferstehung  die  Einrückung  der  gesummten  Natur
in  den  Stand  des  ewig  vollendeten  Seins.
Mit  besonderer  Schärfe  kehrt  sich  Wilhelm  gegen  alle
fatalistischen  Lehren, 2  gegen  welche  er  namentlich  die  Thatsaehe
  der  menschlichen  Willensfreiheit  wiederholt  urgirt.  Er
unterscheidet  mehrere  Arten  von  Fatalismus,  den  siderischen,
ferner  den  religiös-theologischen,  welcher  alles  Geschehen  durch
das  göttliche  Vorherwissen  und  Vorausbestimmen  auf  eine  die
menschliche  Willensfreiheit  aufhebende  Weise  determinirt  sein
lässt,  endlich  die  Lehre  von  der  Yrmarmene  oder  von  der
durch  die  Verflechtung  und  Verkettung  der  Ursachen  bewirkten

1  De  Univ.  I,  Ps.  2,  c.  19  f.
2  Gegen  die  Lehre  von  einer  allbelierrschenden  Nothrvendigkeit  bemerkt
er  De  Univ.  I,  Ps.  3,  c.  20:  Contra  errorem  istum  non  est  tarn  ratione
disceptandum,  quam  igne  et  gladio  pugnandum.  —  Aehnlieh  Univ.  I,  1,
c.  46  über  den  astrologischen  Fatalismus  :  Manifestum  est,  ista  infamatione
duorum  planetarum  (Saturui  et  Martis)  eos  blaspliemare  contra  bonitatem
creatoris.  Onmis  autem  blasphemia  contra  creatorem  non  solum  impietas
est,  ferro  et  igne  exterminanda,  sed  etiam  error  impossibilis  etc.
Sitzungster.  d.  plul.-hist.  €1.  LXXIV.  Bd.  I.  Hft.  11
            
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