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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Wilhelms  von  Auvergne  Verhältnis  zu  (len  PlatoniTrern  des  XII.  Jahrhunderts.  145

ses  Product,  indem  er  sicli  als  Urbild  und  Spiegel  des  Universums ­
  daclite  und  erkannte;  es  ist  der  erschöpfende  in  sich
vollkommen  geeinigte  Ausdruck  dieser  göttlichen  Selbsterkenntniss.
  Wie  aber  Gott  wesentlich  ein  Denkender  ist,  so
auch  die  aus  ihm  emanirte  intelligentia,  der  es  wesentlich  war,
sowohl  ihren  Schöpfer  als  auch  sich  selbst  zu  denken,  und  die
Acte  dieses  Denkens  eben  so,  wie  ihr  Schöpfer,  in  realen
Emanationen  zu  vergegenständlichen.  Ihren  Schöpfer  in  seiner ­
  Herrlichkeit  denkend  entlässt  sie  aus  sich  die  intelligentia
secunda  als  lichtstrahlende  Emanation;  ihre  selbsteigene  Potenzialität
  denkend  wirft  sie  gleichsam  als  ihren  Schatten  die
Materie  des  ersten  Himmels  heraus,  ihre  selbsteigene  Actualität
  (perfectio)  denkend  emittirt  sie  das  Formprincip  des  ersten
Himmels,  wodurch  dieser  Gestalt  gewinnt.  Endlich  denkt  sie
sich  auch  als  Intelligenz,  und  macht  damit  ein  drittes  Lichtprincip
  aus  sich  emaniren,  die  Seele  des  ersten  Himmels,
welche  die  Bewegerin  desselben  ist.  In  ähnlicher  Weise  wird
nun  weiter  auch  die  Entstehung  der  übrigen  himmlischen  Intelligenzen ­
  bis  zur  zehnten  herab,  der  übrigen  Himmel,  Himmelsformen
  und  Himmelsseelen  erklärt.  Die  zehnte  Intelligenz
ist  die  Sonne  unserer  Seelen,  und  von  ihr  geht  die  Verursachung ­
  des  Vielen  und  Vervielfältigbaren  aus,  sie  ist,die  Schöpferin ­
  der  Materie  der  generablen  und  corruptiblen  Dinge;
aus  ihr  sind  auch  unsere  Seelen  emauirt,  in  deren  geistiger
Lichtschwäche  sich  die  Erschöpfung  der  in  zunehmender  Abschwächung ­
  bei  der  zehnten  Emanationssstufe  angelangten
Lichtemanation  kundgibt.
Wilhelm  hat  gegen  alle  einzelnen  Punkte  dieser  emanatiamstischen
  Gesammtanschauung  ernstliche  Einwendungen  in
Bereitschaft.  Die  intelligentia  prima  ist  etwas  Geschöpfliches,
  wie  alle  nachfolgenden  Emanationen;  man  sieht  nicht
ein,  wesshalb  der  Schöpfer,  der,  soferne  er  sich  als  Schöpfer
oder  ursächliches  Weltprincip  denkt,  die  intelligentia  prima
aus  sich  hervorgehen  macht,  nicht  eben  so  gut  alles  übrige
Geschaffene  unmittelbar  durch  sich  selber  setzen  sollte.  Man
muss  annehmen,  dass  er  Alles  gleichmässig  erkenne,  da  weder
m  ihm  selber,  noch  in  den  Dingen  irgend  eine  Ursache  liegt,
welche  hindern  könnte,  dass  er  alles  ohne  Unterschied  gleichmässig ­
  und  gleich  gut  erkenne;  wenn  er  nun  eben  als  Erken-Sitzungsber.
  d.  pliil.-liist.  CI.  LXX1V.  Ud.  I.  Hft.  10
            
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