Wilhelms von Auvergne Verhältnis zu (len PlatoniTrern des XII. Jahrhunderts. 145
ses Product, indem er sicli als Urbild und Spiegel des Universums
daclite und erkannte; es ist der erschöpfende in sich
vollkommen geeinigte Ausdruck dieser göttlichen Selbsterkenntniss.
Wie aber Gott wesentlich ein Denkender ist, so
auch die aus ihm emanirte intelligentia, der es wesentlich war,
sowohl ihren Schöpfer als auch sich selbst zu denken, und die
Acte dieses Denkens eben so, wie ihr Schöpfer, in realen
Emanationen zu vergegenständlichen. Ihren Schöpfer in seiner
Herrlichkeit denkend entlässt sie aus sich die intelligentia
secunda als lichtstrahlende Emanation; ihre selbsteigene Potenzialität
denkend wirft sie gleichsam als ihren Schatten die
Materie des ersten Himmels heraus, ihre selbsteigene Actualität
(perfectio) denkend emittirt sie das Formprincip des ersten
Himmels, wodurch dieser Gestalt gewinnt. Endlich denkt sie
sich auch als Intelligenz, und macht damit ein drittes Lichtprincip
aus sich emaniren, die Seele des ersten Himmels,
welche die Bewegerin desselben ist. In ähnlicher Weise wird
nun weiter auch die Entstehung der übrigen himmlischen Intelligenzen
bis zur zehnten herab, der übrigen Himmel, Himmelsformen
und Himmelsseelen erklärt. Die zehnte Intelligenz
ist die Sonne unserer Seelen, und von ihr geht die Verursachung
des Vielen und Vervielfältigbaren aus, sie ist,die Schöpferin
der Materie der generablen und corruptiblen Dinge;
aus ihr sind auch unsere Seelen emauirt, in deren geistiger
Lichtschwäche sich die Erschöpfung der in zunehmender Abschwächung
bei der zehnten Emanationssstufe angelangten
Lichtemanation kundgibt.
Wilhelm hat gegen alle einzelnen Punkte dieser emanatiamstischen
Gesammtanschauung ernstliche Einwendungen in
Bereitschaft. Die intelligentia prima ist etwas Geschöpfliches,
wie alle nachfolgenden Emanationen; man sieht nicht
ein, wesshalb der Schöpfer, der, soferne er sich als Schöpfer
oder ursächliches Weltprincip denkt, die intelligentia prima
aus sich hervorgehen macht, nicht eben so gut alles übrige
Geschaffene unmittelbar durch sich selber setzen sollte. Man
muss annehmen, dass er Alles gleichmässig erkenne, da weder
m ihm selber, noch in den Dingen irgend eine Ursache liegt,
welche hindern könnte, dass er alles ohne Unterschied gleichmässig
und gleich gut erkenne; wenn er nun eben als Erken-Sitzungsber.
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