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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Werner

Leibes,  so  Gott  das  Leben  der  Seelen  sei. 1  Plato  babe  indess
recht  wohl  den  heiligen  Geist  die  Seele  der  Welt  nennen
können,  da  in  der  That  Alles  in  Kraft  der  göttlichen  Güte
lebe  und  in  der  vorausordnenden  Güte  Gottes  sein  wahres,
eigentliches  Leben  habe. 2  Wilhelm  von  Auvergne,  welcher
die  Identificirung  der  Weltseele  mit  dem  heiligen  Geiste,  oder
vielmehr  des  heiligen  Geistes  mit  demjenigen,  was  nach  allgemeiner ­
  Ansicht  unter  der  Weltseele  verstanden  wird,  als  ein
sacrilegisches  Attentat  gegen  den  Kirchenglauben  bekämpft, 3
kannte  augenscheinlich  Abälards  Lehre  bloss  vom  Hörensagen,
vielleicht  aus  dem  Briefe  Wilhelms  von  Thierry  an  Bernhard
von  Clairvaux, 4  wo  dieselbe  Beschuldigung  gegen  Abälard  vorgebracht ­
  wird,  was  um  so  sonderbarer  erscheint,  da  der  Kläger
das  Verzeichniss  der  Irrthümer  Abälards  eben  aus  jenen  beiden
obenerwähnten  Schriften  desselben,  den  Hauptwerken  Abälards,
gezogen  haben  will.  Bernhard  von  Clairvaux,  der  ein  aus  den
selbsteigenen  Worten  Abälards  zusammengestelltes  Verzeichniss
der  irrigen  Meinungen  desselben  anfertigte', 5  liess  selbstver-1
  Die  näheren  Erklärungen,  welche  Abälard  (Opp.  Tom.  n,  p.  48)  über
die  Nothwendigkeit,  Plato’s  Lehre  in  der  angegebenen  Weise  zu  deuten,
gibt,  zeigen,  dass  ihm,  dem  Dialektiker,  der  Gedanke  einer  lebendigen
Natur  nicht  bloss  fremd,  sondern  geradezu  unverständlich  war:  darum
est,  quae  a  philosophis  de  anima  mundi  dicnntur,  per  involucrum  aecipienda
  esse.  Alioquin  summum  philosophorum  Platonem  summum  stultorum
  deprehenderemus.  Quid  enim  magis  ridiculosum,  quam  totum
mundum  arbitrari  unum  animal  esse  rationale?  Animal  quippe  non
potest  esse  nisi  sensibile;  quis  autem  ex  quinque  sensibus  mundo  inesse
poterit,  nisi  forte  tactus  ?  .  ..  Atque  est  pars  corporis  mundi,  qua  ipse  si
tangatur,  sentire  queat  magis  quam  arbores  et  plantse,  quae  eadem  anima
vivificari  dicuntur.  Numquid  ex  effossione  terrae  potius  sentiret  mundus,
quam  arbores  ex  frondium  avulsione  vel  totius  corporis  sui  abscissione?
Prmterea,  quid  opus  erat  creatione  animarum  nostrarum,  quas  postea  factas
esse  Plato  commemorat,  aut  quid  opus  est  animam  mundi  his  corporibus
nostris  inesse,  quae  non  animat?  Gegen  diesen  letzteren  Einwand,  der
dazumal  öfter  vorgebracht  worden  zu  sein  scheint,  bemerkt  Wilhelm
von  Conches:  Non  dicimus  animam  mundi  esse  animam,  sicut  nec
caput  mundi  esse  caput  (Hcpt  Sioaffuv  Lib.  I).
2  Abselard.  Op.  Tom.  II,  p.  379.
3  De  universo  I,  Pars  III,  c.  33.
4  Dieser  Brief  findet  sich  in  der  Sammlung  der  Schriften  Bernhards  (Opp.
ed.  Tenet.,  Tom.  I)  als  ep.  326.
5  Vgl.  Abselard.  Opp.  II,  p.  765  ff.
            
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