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Werner
Leibes, so Gott das Leben der Seelen sei. 1 Plato babe indess
recht wohl den heiligen Geist die Seele der Welt nennen
können, da in der That Alles in Kraft der göttlichen Güte
lebe und in der vorausordnenden Güte Gottes sein wahres,
eigentliches Leben habe. 2 Wilhelm von Auvergne, welcher
die Identificirung der Weltseele mit dem heiligen Geiste, oder
vielmehr des heiligen Geistes mit demjenigen, was nach allgemeiner
Ansicht unter der Weltseele verstanden wird, als ein
sacrilegisches Attentat gegen den Kirchenglauben bekämpft, 3
kannte augenscheinlich Abälards Lehre bloss vom Hörensagen,
vielleicht aus dem Briefe Wilhelms von Thierry an Bernhard
von Clairvaux, 4 wo dieselbe Beschuldigung gegen Abälard vorgebracht
wird, was um so sonderbarer erscheint, da der Kläger
das Verzeichniss der Irrthümer Abälards eben aus jenen beiden
obenerwähnten Schriften desselben, den Hauptwerken Abälards,
gezogen haben will. Bernhard von Clairvaux, der ein aus den
selbsteigenen Worten Abälards zusammengestelltes Verzeichniss
der irrigen Meinungen desselben anfertigte', 5 liess selbstver-1
Die näheren Erklärungen, welche Abälard (Opp. Tom. n, p. 48) über
die Nothwendigkeit, Plato’s Lehre in der angegebenen Weise zu deuten,
gibt, zeigen, dass ihm, dem Dialektiker, der Gedanke einer lebendigen
Natur nicht bloss fremd, sondern geradezu unverständlich war: darum
est, quae a philosophis de anima mundi dicnntur, per involucrum aecipienda
esse. Alioquin summum philosophorum Platonem summum stultorum
deprehenderemus. Quid enim magis ridiculosum, quam totum
mundum arbitrari unum animal esse rationale? Animal quippe non
potest esse nisi sensibile; quis autem ex quinque sensibus mundo inesse
poterit, nisi forte tactus ? . .. Atque est pars corporis mundi, qua ipse si
tangatur, sentire queat magis quam arbores et plantse, quae eadem anima
vivificari dicuntur. Numquid ex effossione terrae potius sentiret mundus,
quam arbores ex frondium avulsione vel totius corporis sui abscissione?
Prmterea, quid opus erat creatione animarum nostrarum, quas postea factas
esse Plato commemorat, aut quid opus est animam mundi his corporibus
nostris inesse, quae non animat? Gegen diesen letzteren Einwand, der
dazumal öfter vorgebracht worden zu sein scheint, bemerkt Wilhelm
von Conches: Non dicimus animam mundi esse animam, sicut nec
caput mundi esse caput (Hcpt Sioaffuv Lib. I).
2 Abselard. Op. Tom. II, p. 379.
3 De universo I, Pars III, c. 33.
4 Dieser Brief findet sich in der Sammlung der Schriften Bernhards (Opp.
ed. Tenet., Tom. I) als ep. 326.
5 Vgl. Abselard. Opp. II, p. 765 ff.