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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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W  erner.

Conceptors  Theil,  gleichwie  die  aus  der  Hyle  gebildete  wirkliche ­
  Welt  in  ihrer  Weise  an  der  Aeternität  der  Idealwelt,
die  in  der  wirklichen  sich  abbildet,  Theil  hat,  indem  die  zeitliche ­
  Succession  eben  nur  eine  successive  Entfaltung  und  Ileryorstellung'
  dessen  ist,  was  in  der  urbildlichen  Idealwelt  in
zeitloser  Simultaneität  vorhanden  ist.  Wie  die  urbildliche  Idealwelt ­
  eine  Schöpfung  des  göttlichen  Verstandes  ist,  so  ist  auch
die  Hyle,  in  welcher  sie  sich  abschatten  und  abgestalten  soll,
eine  Schöpfung  des  göttlichen  Willens;  damit  soll  der  antiken
platonischen  Weltlehre  gegenüber  der  christliche  Standpunkt
gewahrt  werden,  der  zudem  diess  voraus  hat,  dass  er  Alles
strenge  auf  eine  letzte  einheitliche  absolute  Ursache,  die  keine
andere  neben  sich  hat,  sondern  jede  andere  aus  sich  seihst
heraussetzt  oder  durch  sich  selber  gründet,  zurückführt.  Die
Gottheit  als  absolute  Wirkungsursache  alles  Seienden  gründet
durch  sich  selbst  die  wirkliche  Welt,  indem  sie  die  Hyle
schafft,  aus  welcher  die  wirkliche  Welt  herausgebildet  werden
soll;  sie  setzt  die  wirklichen  Ursachen  des  von  der  wirklichen
Welt  umschlossenen  Seins  und  Geschehens  aus  sich  heraus,
indem  aus  dem  göttlichen  Verstände  (Noys  =  vouc)  die  Endelychia
(=  evTEAsy^.a)  emanirt,  die  als  lebendiges  Gestaltungsprincip  in
die  für  den  Weltgestaltungsprocess  durch  die  Providenz  vorbereitete ­
  und  signirte  Hyle  eingeht.  Für  die  Beschreibung  des
Weltgestaltungsprocesses  dient  der  platonische  Timäus  als  Vorbild; ­
  wir  kennen  sie  übrigens  nur  aus  jenen  Bruchstücken,
die  theils  von  den  Verfassern  der  Histoire  litteraire  de  la
France, 1  theils  im  Anhänge  zu  Cousins  Ausgabe  der  Oeuvres
inedits  d’Abelard  (p.  627  ff.)  aus  Bernhards  handschriftlich
vorhandenem  Megacosmus  et  Microcosmus  der  literarischen  Oeffentlichkeit
  anheim  gegeben  worden  sind.  Die  in  der  Idealwelt
bis  in’s  Einzelnste  vorgezeichnete  Prädetermination  des  Weltlaufes ­
  drückt  dem  Weltsysteme  Bernhards  einen  ziemlich  deterministischen ­
  Charakter  auf.  Dem  Weltlaufe  ist  der  göttliche
Wille  imprägnirt,  der  sich  in  der  Yrmarmene  (hpixappivY))  zur
unverbrüchlichen  Geltung  bringt.  Die  Yrmarmene  emanirt  aus
der  Natura,  wie  die  Natura  aus  der  Endelychia;  unter  der
Natura  ist  der  den  göttlichen  Ideen  gemäss  gestaltete  Weltstoff

1  Tom.  XII,  p.  207.
            
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