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verliehen. Aber die Einsenkung' in den irdischen Körper ist
Ursache der Verdunkelung ihres lichten Wesens; demzufolge
dann ihr Mangel an rechter Fassung und Besonnenheit in
Regelung und Disciplinirung der beiden untei'geordneten Vermögen,
und ihre Ueberwältigung durch die Ausschreitungen
derselben. Diese Ueberwältigung kann bis zu dem Grade fortschreiten,
dass sie die Fähigkeit, Wahres vom Falschen zu
unterscheiden verliert, die von der Philokosmie gepriesenen
Güter für die echten Güter des Lebens hält, und in Erringung
derselben sich selig preist. Die sinnlichen Lebensgüter blenden
das Licht der Vernunft, und würdigen den Menschen zum
Thiere herab. Es gibt nur Ein Mittel, die verirrte Seele aus
ihren schmählichen Banden zu befreien: die Rückkehr zu sich
selbst und zum eigensten Bereiche ihres Denkens und Schaffens
d. i. zur Philosophie und zu den edlen freien Künsten.
Diese Auslassung Adelards lässt sich unter den nöthigen
Modificationen, die durch den christlich-theologischen Standpunkt
Wilhelms bedingt sind, ganz in den Inhalt jener Anschauungen
umsetzen, welche Wilhelm von Auvergne in seiner
Schrift de anima und anderwärts entwickelt. Der Umtand,
dass Wilhelm nicht gleich Adelard als Philosoph, sondern als
Theolog spricht, bringt es mit sich, dass er den von Adelard
stillschweigend vorausgesetzten Grund des thatsächlichen Herabsinkens
der Seele von der Höhe ihres ursprünglich reinen und
lichten Geistlebens, so wie des Verlustes ihrer Herrschaft über
die entartenden Kräfte des Zürnens und Begehrens ausdrücklich
angibt und der Kirchenlehre gemäss im ersten Sündenfalle
sucht; dass er ferner der bei Adelard empfohlenen Rückkehr
der Seele zu sich selbst und zur Pflege edler Geistesthätigkeit
die Rückkehr zu Gott und die Hinwendung auf die ewigen
Güter des Lebens substituirt, womit natürlich die von Beiden,
von Adelard und von Wilhelm geforderte Wiedergewinnung
der verlorenen Geistigkeit bei Wilhelm einen ausschliesslich
ethisch-religiösen Sinn gewinnt. 1 Diese ethisch-religiöse Geistigkeit
wurzelt, weil durch die Wiederherstellungsgnade bedingt,
1 Spiritualitas est perfectio, per quam avertimus imprimis ab animabus
nostris mala spiritualia, quae simt vitia et peccata, atque poenas, quae
pro eis redduntur judicio creatoris. De anima V, 12.