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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Werner.

zu  den  bei  denselben  voriindlichen  neuplatonischen  Elementen
berücksichtigen  würden;  wir  können  von  diesen  Beziehungen
um  so  weniger  absehen,  da  eben  mittelst  derselben  Wilhelms
Verhältniss  zu  den  christlichen  Platonikern  zu  einer  festbegrenzten ­
  Gestaltung  gelangte,  während  zuletzt  und  zuhöchst
seine  Stellung  nach  beiden  Seiten  hin  durch  seinen  theologischen ­
  Christianismus  bestimmt  wurde.
Als  christliche  Platoniker  des  zwölften  Jahrhunderts  sind
Adelard  von  Bath  und  Bernhard  von  Chartres  hervorzuheben,
welchen  weiterhin  noch  Wilhelm  von  Conches  beizuzählen  ist.
In  einem  geistigen  Verwandtschafts  verhältniss  zu  diesen  Männern
steht  Abälard,  der  zwar  der  Philosophie  bloss  als  Dialektiker
angehört,  aber  die  unter  den  christlichen  Platonikern  seines
Zeitalters  cursirenden  allgemeinen  Anschauungen  in  die  Theologie ­
  hineintrug,  theilweise  geradezu  als  theologische  Sätze
behandelte.  Obschon  Wilhelm  keinen  dieser  Männer,  sowie
überhaupt  keinen  der  christlichen  Lehrer  mit  Namen  aufführt,
so  hat  er  doch  unzweifelhaft  jeden  derselben  gekannt  und  ihre
Meinungen  berücksichtiget;  in  Bezug  auf  Adelard  von  Bath
muss  noch  mehr  behauptet  werden,  er  hat  Adelards  Schrift  de
eodem  et  diverso  nicht  bloss  gekannt,  sondern  aus  ihr  auch
geistige  Anregung  geschöpft  und  so  viel  an  sich  gezogen,  als
er  nur  immer  mit  seinen  christlichen  Ueberzeugungen  vereinbar ­
  fand.
Obwohl  noch  imgedruckt,  ist  Adelard's  Schrift  de  eodem
et  diverso  ihrem  Inhalte  nach  seit  Langem  durch  Jourdain’s  1
ausführliche  Mittheilungen  über  dieselbe  bekannt.  In  die  Form
einer  Allegorie  eingekleidet,  führt  sie  die  Erscheinungen  zweier
Gestalten  vor,  der  Philokosmie  und  Philosophie,  die  dem  in
der  Stille  eines  abgelegenen  Thaies  in  astronomische  Meditationen ­
  versunkenen  Verfasser  sich  plötzlich  zeigten.  Die  Philokosmie, ­
  die  sich  ihm  zuerst  als  freudenverheissende  Führerin
anbietet,  hat  in  ihrem  Gefolge  das  Glück,  die  Macht,  die
Würde,  den  Ruhm  und  die  Lust;  die  Philosophie  ist  von  den
sieben  freien  Künsten  umgeben.  Indem  die  Philokosmie  die
Güter  anrühmt,  welche  sie  durch  die  ihren  Befehlen  dienst-1

  Gesch.  d.  aristotel.  Schriften  im  Mittelalter.  Uebersetzt  v.  Stahr  (Halle,
1831)  S.  249—259  u.  S.  404—406.
            
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