Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

KaiTß  I.  Wahl  zum  römischen  König.

113

Namens,  Sohn  Philipps  Erzherzogs  von  Oesterreich,  nachdem
das  Kaiserthum  5  Monate  erledigt  worden  war,  in  Frankfurt
zum  König  der  Römer  gewählt.  Hätte  es  doch  Gott  gefallen,
dass  das  Kaiserthum  länger  vacant  geblieben  wäre,  oder  dass
man  es  für  immer  in  den  Händen  Jesu  Christi  gelassen  hätte,
dem  es  gehört  und  nicht  einem  andern.  1
Konnte  man  französischer  Seits  nicht  hindern,  dass  es
der  Sohn  Philipps  von  Oesterreich  erlange,  so  war  man  doch
entschlossen,  alles  aufzubieten,  dass  es  nicht  bei  Karl  bleibe,
und  wurde  bereits  in  nächster  Zeit  das  Intriguenspiel  mit
solchem  Erfolge  betrieben,  dass  die  Franzosen  1520  der  Meinung ­
  waren,  Karls  Kaiserthum  werde  kaum  ein  Jahr  andauern.
Nachdem  aber  einmal  die  spanische  Nation  den  grossen
Sieg  errungen,  dass  ihr  König  römischer  König  und  deutscher
Kaiser  wurde,  war  es  begreiflich,  dass  sie  auch  für  die  grossen
Opfer,  die  sie  gebracht,  eine  Entschädigung  haben  wollte  und
wenn  sie  auch  nur  in  einem  gewissen  Einflüsse  auf  die  Geschicke ­
  Deutschlands  bestanden  hätte.  Es  ist  hier  nicht  der
Ort  auseinander  zu  setzen,  in  welchem  Zusammenhänge  Karl’s
Aufenthalt  in  Spanien  im  Jahre  1519  zu  dem  nachherigen
Aufstande  der  Communen  stand,  noch  welche  Folgen  es  für
Karl  noch  lange  Zeit  hatte,  dass  so  grosse  Geldsummen  nach
Deutschland  wanderten,  den  heftigen  Goldhunger  der  biedern
Deutschen  zu  stillen.  Ich  will  hier  nur  Eine  Thatsache  anführen, ­
  welche  wenig  bekannt  ist.  Am  12.  April  1521  wandten
sich  der  Cardinal  von  Tortosa,  welchen  wir  von  seiner  Verwendung ­
  bei  den  Churfürsten  für  K.  Karl  kennen,  der  Admiral ­
  von  Castilien,  der  Graf  von  Benevent,  der  Prior  von
Castilien,  Don  Beltran  de  la  Cueva,  der  Marques  von  Astorga,
Diego  de  Rojas  Conte  Alferez,  der  Graf  von  Haro  an  K.  Karl
und  verlangten  von  ihm  energische  Massregeln  gegen  Martin
Luther, 2  zur  Vernichtung  der  teuflischen  Haeresie  und  des
grossen  Schismas  in  der  Kirche.  Der  Herzog  von  Alba  und
die  am  kaiserlichen  Hofe  befindlichen  Prälaten  würden  die
geeigneten  Mittel  angeben.  Die  Granden  schrieben  desshalb

1  Journal  de  Louise  de  Savoye  bei  Mlchaud,  Nouvelle  collection  V.  p.  91.
2  Bergenroth  Supplement  to  vol.  1  and  II  of  letters  despatches  and  state
papers  p.  367.
Sitzungsber.  d.  pkil.-hist.  CI.  LXXIV.  Bd.  I.  Hft.  8
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.