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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Karra  I.  Wahl  zum  römischen  Könige.

in

statt,  die  aber  zu  keinem  anderen  Ziele  führten,  als  dass
die  Wahl  selbst  auf  Montag  den  27.  Juni  vertagt  wurde.
Während  dieser  10  Tage  fanden  nun  die  eigentlichen  Berathungen ­
  statt,  die  aber  auch  am  27.  Juni  noch  zu  keinem
anderen  Resultate  führten,  als  dass  beschlossen  wurde,  Dienstag
28.  Juni  nochmals  eine  heil.  Geistmesse  halten  zu  lassen  und
hierauf  zur  Wahl  zu  schreiten.  Offenbar  war  man  aber  jetzt
vollkommen  übereingekommen,  so  dass  die  Ceremonie  ihren
ungestörten  Gang  nehmen  konnte.  Und  nun  gab  nicht  der  Erz-Setzungen

  wirklich  stattfanden,  eine  volle  Uebereinstimmung  bei  den  Schriftstellern, ­
  die  darüber  handelten.  Hingegen  muss  die  historia  de  electione
et  coronatione  Caroli  V.  Imp.  Aug.  mit  ihren  in  der  Classicität  des
XVI.  Jahrhunderts  gehaltenen  Reden  als  eine  Compilation  angesehen
werden,  der  man  nur  insoweit  Glauben  schenken  darf,  als  die  vorhandenen
Belege  sich  dafür  aussprechen,  ihr  Inhalt  mit  der  historia  übereinstimmt.
Man  sieht  aus  der  Phrase:  erat  tum  quidem  (1519)  ea  virtus  et  gravitas
principum  —  vor  der  Reformation,  ut  sine  insidia  singulis  concederentur
  suae  laudes  nec  paruin  ad  communem  salutem  tum  quidem  profuit,
quod  adhuc  privatim  magna  inter  se  benevolentia  devincti  erant,  quam
et  reipublicae  causa  diligenter  tuebantur.  Die  Historia  war  also  für  eine
Zeit  geschrieben,  in  welcher  man  auf  die  Tugenden  einer  früheren  hinzuweisen ­
  für  nothwendig  erachtete,  wobei  es  aber  dem  Leser  unbenommen ­
  bleibt,  zu  urtheilen,  ob  diese  Rücksichten,  wie  sie  die  historia
darstellt,  damals  wirklich  geübt  wurden,  die  angeblichen  Tugenden  wirklich ­
  vorhanden  waren.  Dass  gerade  dem  Markgrafen  Joachim  die  Aufgabe ­
  zu  Theil  geworden  sei,  im  Namen  der  Anderen  dem  Churfürsten
von  Mainz  beizustimmen,  wird  kaum  für  die  Glaubwürdigkeit  der  historia
sprechen,  nachdem  sie  selbst  darauf  meldet,  er  sei  für  die  Prorogation
des  Wahlactes  gewesen  und  der  selbst  nach  Maria  Sanuto,  als  schon  6  Stimmen ­
  K.  Karl  gewählt  hatten,  noch  an  seiner  Gegenstimme  festhielt,  sammt
Richard  v.  Trier  und  Ludwig  von  der  Pfalz  noch  am  27.  Juni  den  Versuch ­
  machte,  Karl  durch  die  Wahl  des  Churfürsten  von  Sachsen  zu  beseitigen. ­
  Die  Frankfurter,  welche  ihn  für  seine  Haltung  in  der  Wahlangelegenheit ­
  in  Stücke  reissen  wollten,  wussten  offenbar  etwas  genauer,  wie
viel  oder  wie  wenig  man  sich  auf  den  beredten  Joachim  verlassen  konnte.
Interessant  ist  hiebei  was  Giustiniani  nach  Paces  Mittheilung  über  die  Wahl
berichtete.  He  (Pace  coming  back  from  Germany)  stated  that  for  half
a  day  the  Duke  of  Saxony  had  been  elected  king  of  the  Romans;  that
wlien  the  marquis  of  Brandenburg  was  nominated,  his  own  brother  the
archbischop  of  Mayence  rejected  him  through  love  of  the  king  of  France,
and  finally  the  catholic  king  was  elected  king  of  the  Romans  consensu
omnium.)  Brewer  III.  1.  p.  143.  Erasmus.  (Brief  vom  17.  October  an
Bischof  Fischer)  setzt  die  Anerbietung  der  Krone  an  den  Churfürsten  von
Sachsen  auf  den  Tag  vor  Karls  Wahl?  !
            
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