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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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Hofier.

besprechung  vorzunehmeu.  Pfalz,  Trier,  Böhmen,  Cöln,  meinte
Churfürst  Joachim  seien  sicher,  nur  der  eigene  Bruder  zweifelhaft.
Nun  brachte  der  Churfürst  die  eigene  Wahl  in  Anregung,
erwirkte  aber  von  dem  eigenen  Bruder  nur  für  diese  Thorheit
das  zwar  der  Sache  angemessene,  aber  nicht  schmeichelhafte
Epitheton.  Dem  päpstlichen  Legaten  erklärte  gleichfalls  Erzbischof
Albrecht,  er  werde  nicht  für  König  Franz  sein,  für  K.  Karl,
oder  für  den  Churfürsten  von  Sachsen,  oder  Pfalzgraf  Friedrich. ­
  In  Rom,  wie  den  Italienern  überhaupt,  schien  es  noch
immer  unbegreiflich,  warum  die  Deutschen  sich  einen  Fremden
zum  Kaiser  geben  sollten.
Hofften  die  Franzosen  noch  immer,  so  war  gewiss,  dass
wenn  ihr  König  gewählt  würde,  der  Krieg  und  zwar  in  und
um  Frankfurt  und  Mainz  ausbrach,  eine  unabsehbare  Katastrophe ­
  erfolgte,  die  französisch  gesinnten  Churfürsten  nicht
mehr  lebend  nach  Hause  kehrten.  Das  erklärt  die  nun  eintretende ­
  Standhaftigkeit  derjenigen,  welche  bisher  bald  zum
Einen  bald  zum  Andern  sich  gewandt  hatten.
Die  zum  Vorlesen  bestimmte  Empfehlungsrede  der  französischen ­
  Gesandten  konnte  unter  solchen  Verhältnissen  keines
grossen  Erfolges  sicher  sein.
Allein  die  Darstellung  von  der  vor  der  Wahl  gehaltenen  Reden ­
  erweist  sich  in  einzelnen  Punkten  nicht  als  richtig.  Nach  dem
Wahldecrete  versammelten  sich  die  Churfürsten  und  der  böhmische
Kanzler  Ladislaus  von  Sternberg  am  17.  Juni  in  der  St.  Bartholomäuskirche ­
  zur  heil.  Geistmesse  und  zur  Eidesleistung,  worauf
sie  in  die  Kammer  gingen,  ,da  man  die  Chur  und  Wahl  römischer ­
  Könige  pflegt  zu  halten/  und  begannen  daselbst  die
Wahlhandlung. 1  Hier  also  fanden  die  ersten  Besprechungen

1  Nach  den  lettere  di  principi  f.  1  fand  die  Proclamation  Karls  erst  am
4.  Juli  statt  und  gingen  (f.  5)  die  Churfürsten  am  28.  ohne  definitiven
Beschluss  (seiiz’  altra  conclusione)  auseinander.  Diese  Anschauung  widerstreitet ­
  allen  anderen  Berichten.  Allein  weil  dieses  irrig  ist,  folgt  noch
nicht,  dass  die  Reden,  so  wie  sie  die  lettere  di  principi  enthalten  und
die  selbst  auf  einer  Mittheilung  des  königlichen  Secretärs  (lettere  f.  1)
beruhen,  nicht  während  der  Wahlhandlungen  gehalten  worden  wären.
Wären  sie  erdichtet,  so  müsste  man  sie  als  Meisterstücke  ansehen,  so
trefflich  zeichnen  sie  die  Stellung  der  beiden  Hauptparteien  und  geben
sie  die  Gründe  an,  welche  für  und  gegen  die  beiden  Candidaten  geltend
gemacht  werden  konnten.  Auch  ist  hierüber,  dass  derartige  Auseinander-
            
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