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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Karl's  I.  Wahl  zum  römischen  Könige.

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ja  am  8.  April  festgesetzt  worden.  Dafür  und  was  man  später
noch  abzujagen  hoffen  mochte,  konnte  ja  der  Verrath  Deutschlands ­
  in  Scene  gesetzt  werden.
Mit  Recht  konnte  man  aber  fragen,  wozu  sollte  der  französische ­
  König  voreilig  einen  Krieg  anfangen,  wenn  ihm  die
deutsche  Krone  ohne  denselben  zufiel?  War  es  denn  doch
noch  Ende  Mai  dem  französischen  Unterhändler  Jean  d’Albert,
der  sich  in  aller  Heimlichkeit  nach  Bonn  zu  dem  Churfürsten
von  Cöln  begeben  hatte,  gelungen,  den  letzteren  zu  der  Aeusserung
  zu  vermögen,  wenn  die  anderen  Churfürsten  am  Wahltage
sich  als  Freunde  des  Königs  erweisen  würden,  so  hoffe  er,
der  Churfürst,  von  K.  Franz,  dieser  werde  ihm  gegenüber  nach
dem  Evangelium  handeln,  in  welchem  den  letzteintretenden
derselbe  Lohn  zu  Theil  wurde,  wie  denen,  die  seit  dem  frühen
Morgen  arbeiteten  (27.  Mai).  1
Es  waren  somit  keine  müssigen  Worte,  wenn  K.  Franz
mindestens  auf  4  Stimmen  rechnete.  Ehe  Jean  d’Albert  schrieb,
wusste  der  König  von  seinen  Gesandten  (23.  Mai), 2  dass  sie
eine  urkundliche  Verpflichtung  des  Churfürsten  von  Trier  in
Händen  hatten.
Nun  kam  aber  für  die  Churfürsten  selbst  der  schlimmste
Moment.  Nach  der  goldenen  Bulle  hatte  jeder  von  ihnen  vor
der  Wahl  zu  schwören,  seine  Stimme  ganz  frei  abzugeben.  —  Der
Wortlaut  hiess:  absque  omni  pacto  stipendio  precio  vel  promisso
  seu  quocunque  modo  talia  valeant  appellari.  3  —  Wie
viele,  wenn  man  von  K.  Ludwig  von  Böhmen  und  dem  Churfürsten ­
  von  Sachsen  absah,  konnten  denn  diesen  Eid  mit  gutem
Gewissen  leisten?  Doch  wohl  der  Erzbischof  von  Mainz,  der  sich
ja  seine  Geldsummen  für  die  Kirche  in  Halle  hatte  verschreiben
lassen,  oder  sein  Bruder,  der  ja  die  Mitgift  der  Princessin
Renata  in  Empfang  nahm,  von  den  anderen  nicht  zu  reden?
Diesmal  hatten  beide  Bewerber  gesorgt,  die  Gewissen  ihrer
Wähler  frei  zu  machen.  Der  König  von  Castilien  und  Aragon
entband  schon  am  20.  April  die  Churfürsten  ihrer  Versprechungen, ­
  der  französische  König,  dessen  Gesandter  die  Unterhandlungen ­
  tief  in  den  Mai  fortsetzte,  erst  gegen  Ende  dieses
1  Mignet  p.  265.
2  Mignet  p.  254  n.  2.
3  de  electione  regis.
            
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