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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Karl’s  I.  Wahl  zum  römischen  Könige.

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forderung  an  Albrecht,  fest  bei  Frankreich  auszuharren,  machte
diesen  auf’s  Neue  schwankend  und  erst  jetzt,  nach  sechsmaliger
Wendung-  der  Dinge,  blieb  Albrecht  sich  endlich  darin  gleich,
die  Partei  des  Habsburgers  statt  die  des  französischen  Königs
zu  ergreifen.
Dieser  aber  erlitt  noch  eine  andere  sehr  empfindliche
Niederlage.  Allgemein  galt  Herzog  Ulrich  von  Würtemberg
als  im  französischen  Solde  stehend,  von  einem  französischen
Agenten  geleitet,  als  einer  von  den  deutschen  Fürsten,  auf
welche  der  König  rechnen  konnte,  wenn  es  ihm  beifiel,  an
die  Gewalt  der  Waffen  zu  appelliren.  Als  nun  der  Herzog
gleich  nach  dem  Tode  des  Kaisers  sich  vor  die  Reichsstadt
Reutlingen  legte  und  sie  durch  Abgrabung  des  Wassers  und
Aushungerung  zur  Uebergabe  zwang, 1  die  Bürger  ihm  huldigen
mussten,  war  nicht  blos  der  Reichskrieg  in  frevlem  Muthe  von
ihm  eröffnet,  eine  Reichsstadt  dem  Reiche  und  dem  schwäbischen
Bunde  abgedrungen  worden,  sondern  auch  K.  Franz  in  den
Schein  gekommen,  als  wenn  er  selbst  die  Freiheit  der  Reichsstädte ­
  beinträchtigen  wolle,  die  mit  Waffen  und  Geld  unterstütze, ­
  die  sich  als  Feinde  der  Reichsstädte  hervorgethan  und
sie  angegriffen  hatten.  Es  blieb  ihm  nichts  anderes  übrig,  als  sich
durch  feierliche  Erklärungen  an  die  letzteren 2  vom  3.  März
1519  von  Herzog  Ulrich  loszusagen  und  zu  versichern,  dass,
wenn  er  selbst  Krieg  führen  würde,  dies  nur  geschehe  für  sie  und
für  das  heilige  Reich.  Der  König  konnte  versichern,  was  er
wollte;  die  Entfremdung  Reutlingens  fühlte  man  im  Norden
gleich  sehr  wie  im  Süden.  Der  König  war  durch  seinen  Bundesgenossen ­
  in  den  Kampf  zwischen  den  Fürsten  und  der  republikanischen ­
  Partei  hineingezogen  worden  und  erschien,  er
mochte  thun,  was  er  wollte,  als  der  natürliche  Feind
der  letzteren.
Es  kam  noch  etwas  hinzu.  Von  Anfang  an  hatten  die
habsburgischen  Agenten  den  Catolico  aufmerksam  gemacht^
Sickingen  nicht  für  einen  gewöhnlichen  Ritter  zu  halten  und
sich  denselben  ja  nicht  entgehen  zu  lassen.  Er  wäre  eine  der

1  Am  Frey  tag  vor  Sannt  Bastianstag.  Fixion  S.  180.
2  Speier,  Worms,  Frankfurt,  Constanz,  Fulda,  Cöln.  Mignet  p.  247.
            
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