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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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H  öfler.

in  Scene,  1  um  den  Herzog  von  Lothringen  zu  verhindern,
französischen  Durchzug  nach  Deutschland  zu  gestatten.  Eine
höchst  energische  Erklärung  der  Schweizer  an  den  Erzbischof
von  Mainz  vom  3.  April  suchte  diesen  zu  bestimmen,  zur
Verhütung  des  Blutvergiessens  keinen  Welschen  zum  Kaiser  zu
wählen.  In  gleicher  Weise  suchten  sie  am  6.  April  auf  Papst
Leo  einzuwirken.  Der  mediceische  Papst,  dem  die  französische ­
  Uebermacht  so  unangenehm  war  wie  die  spanische  und  der
im  Ganzen  vor  Allem  freie  Bewegung  für  sich  wünschte,  liess
am  20.  April  durchblicken,  wenn  die  römische  Kirche  in  Betreff ­
  Neapels  sicher  gestellt  sei,  habe  er  nichts  gegen  das  einzuwenden, ­
  was  der  deutschen  Nation  zum  Nutzen  diene.
Mehr  und  mehr  musste  sich  als  entscheidend  heraussteilen,
was  der  Churerzkanzler  des  deutschen  Reiches  endgültig  beschliessen
  werde.
Der  Cardinal  hatte,  als  er  sein  Geschäft  mit  Armerstorff
abgeschlossen,  ihm  auch  die  Briefe  gezeigt,  die  er  erhalten  und
ihn  mit  den  Versprechungen  bekannt  gemacht,  die  ihm  zu  Theil
geworden  waren.  Damals  schien  er  ganz  umgewandelt;  er
floss  über  von  Gefühlen  für  die  Ehre  und  Wohlfahrt  des  Reiches,
des  brandenburgischen  Hauses  und  der  deutschen  Nation.  Er
schrieb  an  seinen  Bruder,  den  Churfürsten,  und  bejammerte
den  Ruin  des  Reiches,  wenn  die  Krone  in  die  Hände  derjenigen
fiele,  die  getrennt  von  Deutschland,  weder  Treue  noch  Ehrlichkeit ­
  besässen,  sich  alles  unterwerfen  und  zu  Erbherren  erschwingen ­
  wollten.  Er  fühlte  selbst,  dass  man  ihm  nachsagen
musste,  er  habe  nur  aus  Geldgier  gehandelt  und  betonte  eben
deshalb  seinen  Mangel  an  persönlichem  Interesse  so  stark
wie  möglich.  2
Allein  wenn  der  Erzbischof  geglaubt  hatte,  seinen  Bruder
so  leicht  von  Frankreich  abzuziehen,  so  irrte  er  sich  und  die
Festigkeit  Joachims  wirkte  nun  wieder  auf  den  Erzkanzler
zurück,  der  denn  doch  noch  von  Zeit  zu  Zeit  deutsch  fühlte,
während  im  Churfürsten  Joachim  alles  in  das  dynastische
und  brandenburgische  Interesse  aufgegangen  war.  Seine  Auf-1
  Le  Glay  I.  p.  342.
2  Lettre  inedite  de  rarcheveque  de  Mayenne  &  l’electeur  de  Brandenbourg.
Mignet  p.  243.
            
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