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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

Karl’s  I.  Wahl  zum  römischen  Könige.

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Belgien  gesandt 1  und  dennoch  nichts  hinreiche,  den  Golddurst
Chievre’s  und  seiner  belgischen  Genossen  zu  stillen.  Als  dann  im
Juli  1519  die  Nachricht  von  dem  Tode  des  Lorenzo  von  Medici
ankam,  urtheilte  man,  jetzt  werde  Karl  der  Weg  zum  Kaiserthum ­
  gebahnt  sein.
Vorderhand  schien  durch  den  Papst,  das  hohenzollernsche
Brüderpaar  und  die  Thätigkeit  der  Franzosen  alles  sich  für
König  Franz  günstig  zu  wenden.  Man  mochte  hoffen,  durch
Nicolaus  Ziegler,  welcher  am  13.  März  den  Auftrag  erhielt,
sich  zu  Churfürst  Albrecht  zu  begeben  und  bis  zum  Wahltage
in  Mainz  zu  bleiben,  eine  Umstimmung  des  Cardinais  zu  erwirken; ­
  allein  diese  Hoffnung  beruhte  doch  auf  schwachem
Grunde.  Mau  erfuhr  in  Spanien,  König  Franz  wolle  nach
Lothringen,  von  da  nach  Frankfurt  ziehen,  um  sich  die  Krone
mit  Gewalt  zu  verschaffen.  Blieben  die  Churfürsten  uneins,
so  käme  die  Entscheidung  an  den  Papst.  Furcht  und  Hoff
nung  wechselten  fortwährend.  Man  meinte,  Erzbischof  Albrecht
werde  seinen  Bruder  vom  französischen  Bündnisse  abziehen  und
überzeugte  sich  dann  Ende  März,  dass  man  mit  Albrecht  selbst
ganz  von  Neuem  anfangen  müsse. 2
Allein  wenn  auch  fort  und  fort  davon  gesprochen  wurde,
das  Kaiserthum  sei  nur  mehr  ein  Schatten,  ein  Titel,  die
Deutschen  selbst  entzögen  ihm  alle  Macht,  man  konnte  an
der  Spannung,  mit  welcher  die  verschiedensten  Völker  der  Lösung ­
  der  Kaiserfrage  entgegensahen,  gewahren,  dass  denn  doch
am  Kaiserthum  mehr  liege,  als  man  sich  selbst  zugestehe,  dass
es  die  Frage  über  die  erste  europäische  Macht  in  sich  schliesse.
Niemand  fühlte  dieses  mehr  als  die  Schweizer,  welche  von
einer  Erhebung  ihres  Freundes  K.  Franz  ihren  eigenen  Untergang ­
  besorgten.  Hier  konnten  die  wirksamsten  Hebel  angelegt ­
  werden,  um  die  Churfürsten  zu  überzeugen,  dass  die
grosse  europäische  Frage  nicht  nach  kleinlichem  Massstabe  aufgefasst, ­
  nicht  nach  ihrem  dynastischen,  nicht  nach  ihrem  individuellen ­
  Interesse  beantwortet  werden  dürfe.  Drohte  K.  Franz
von  Lothringen  aus  in  Deutschland  eiuzufallen,  so  setzte  man
die  Gegendrohung  eines  schweizerischen  Einfalles  in  Lothringen

1  L.  c.  n.  637.  639.
2  Armerstorff  an  Margarethe  26.  März.
Sitzungsber.  d.  phil.-hist.  CI.  LX.XIV.  Bd.  I.  Hft.
            
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