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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 74. Band, (Jahrgang 1873)

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HSfler.

zum  Pfände  ein,  dass  dem  Könige  kein  Chur  für  st  besser  dienen
werde.  Damit  aber  die  Sache  ja  guten  Ausgang  nehme,
rieth  die  käufliche  Seele  dieses  Clmrfürsten  von  Brandenburg
auch  noch  dem  Könige  von  Frankreich,  bis  zum  Anfänge  Juni
ein  gutes  Heer  von  deutschen  Soldtruppen,  namentlich  Reiterei,
vom  deutschen  Reichsadel  aufzustellen.
Eine  der  grössten  Schwierigkeiten  bot  Papst  Leo  X  dar.
Wir  wissen  aus  einer  Unterredung  desselben  mit  dem  englischen
Gesandten,  Bischof  von  Worcester,  nachdem  Karls  Wahl  bereits ­
  erfolgt  war,  dass  Leo  sich  rühmte,  dem  verstorbenen
Kaiser  wie  dem  katholischen  Könige  alle  möglichen  Schwierigkeiten ­
  in  den  Weg  gelegt  zu  haben,  namentlich,  dass  er  Karl
nur  dann  als  König  von  Neapel  anerkennen  wolle,  wenn  er
ihm,  dem  Oberlehnsherrn,  den  Eid  leiste,  nicht  nach  der  römischen ­
  Königskrone  zu  streben.  Nach  Maximilians  Tode  habe
er  sich  die  grösste  Mühe  gegeben,  Karls  Wahl  zu  hindern  und
die  Churfürsten  von  seiner  Begünstigung  abzuhalten.  Er  liess
durch  Campeggio  und  durch  den  Bischof  von  Worcester  König
Heinrich  versichern,  wie  gerne  er  ihn  als  römischen  König  gesehen ­
  und  wie  er  mit  aller  Treue  und  Ehrbarkeit  sich  benommen ­
  habe. 1  Selbst  die  Unterstützung,  die  er  K.  Franz  gewährt, ­
  sei  nur  erfolgt,  um  gegen  Karl  zu  operiren.
Man  war  am  königlichen  Hofe  in  Barcelona  schon  Anfang ­
  März  der  Ueberzeugung,  Papst  Leo  wolle  eigentlich  seinem
eigenen  Neffen,  dem  Sohne  Pietro’s,  Lorenzo  Magnifico,  den
er  mit  Vertreibung  von  Papst  Julius  II.  Neffen  zum  Herzoge
von  Urbino  gemacht  hatte,  den  Weg  zur  Kaiserkrone  bahnen.  2
Auch  die  Vermählung  der  jungen  Wittwe  K.  Ferdinands,
Germaine,  mit  M.  Johann  von  Brandenburg  brachte  man  mit
dem  Wahlgeschäfte  in  Verbindung,  um  dadurch  auf  den  Churfürsten ­
  von  Brandenburg  einzuwirken.  3  Schon  wurden  aber  die
Klagen  laut,  dass  Castilien  sich  jetzt  erschöpfe,  um  die
Kaiserkrone  zu  gewinnen,  nachdem  es  11,000,000  Ducaten  nach

1  Siehe  das  höchst  merkwürdige  Schreiben  Woreesters  an  Wolsey  von  Ende
Juli  1519.  n.  1393.
5  Petr.  Martyr,  ep.  637.
3  L.  c.  n.  638.
            
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