Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

92

Ro  esl  e  r.

Noricum  und  alles  Land  von  der  Donau  bis  Istrien  erfüllt
haben.  Da  die  Bevölkerung  der  späteren  Steiermark  durchaus ­
  dem  im  engeren  Sinne  sogenannten  slovenischon  Stamme
augehört,  welcher  Pannonien  wie  Kärnten  und  Krain  erfüllte,
im  Norden  der  Donau  (Oesterreich  und  westliches  Ober-Ungarn)
ein  anderer  vom  slovenischen  sprachlich  sich  sondernder
Stamm  sesshaft  erscheint,  so  wird  die  Ansiedelung  der  Slaven
in  Pannonia  Noricum  und  Istria  nur  von  Osten  her  erfolgt
sein,  von  jenem  grossen  Bevölkerungsstrome,  der,  vom  Süden
des  Mutterlandes  ausgehend,  die  Dniester-  und  Donauländer
ergriff  und  den  wir  den  südöstlichen  oder  pontodanuvinischen
nennen  können,  im  Unterschiede  von  dem,  der  durch  die
Prypetpforte  nördlicher  nach  Westen  vorbrach,  die  Weicliselund
  Oder-Landschaft  erfasste,  vielleicht  durch  die  Karpatenpässe ­
  nach  Oberungarn,  durch  die  Oderpforte  nach  Mähren
und  Böhmen  eindrang.  Der  südöstliche  Strom  also  hat  sich  nach
dem  Lauf  der  Donau  aufwärts  bewegt  und  ist  so  in  das  sirinische
  und  pannonische  Hügelland  eingedrungen,  welches  als
ein  reiches  Gefilde  Bewohner  anlockte.  Dass  der  in  entgegengesetzter ­
  Richtung  später  in  Noricum  einrückende  bajuvarisehe
Stamm  so  wenig  Schwierigkeiten  bei  der  Ansiedlung  in  Oesterreich ­
  südlich  der  Donau,  in  Nord-Steier  und  Nord-Kärnten
fand,  obgleich  er  hier  überall  schon  auf  Slaven  stiess,  hat  seinen
Gi'und  vor  allem  in  der  ungleich  minderen  Dichtigkeit,  in  welcher
die  Slaven  das  nördliche  Gebirge  erst  erfüllt  hatten.  Im
Gegensätze  dazu  lässt  der  geringere  Erfolg  der  Bajuvarisirung
im  Gebiete  südlich  der  Drau  annehmen,  dass  eben  hier  die
Dichtigkeit  der  Slavenmassen  besonders  intensiv  war.  Auch
scheint  sich  die  Dichtigkeit  mit  der  Entfernung  vom  Ausgangspunkte ­
  der  Bewegung  vermindern  zu  müssen.  Vor  allem
aber  muss  im  Auge  behalten  werden,  dass  die  Slaven  von  der
Ebene  kommend,  an  der  Ebene  (sei  sie  nun  höher  oder  tiefer
gelegen)  und  am  Hügellande  mehr  Gefallen  fanden,  als  an  dem
Gebirge.  Sie  haben  dieses,  so  lange  Auswahl  möglich  war,
immer  bei  Seite  gelassen,  die  Gebirgsränder  Böhmens  haben
die  Slaven  nicht  besetzt,  in  Siebenbürgen,  das  sie  nach
dem  Untergange  der  Gepiden  hätten  ausfüllen  dürfen,  haben
sie  nur  spärlich  Platz  genommen.  Nur  wenn  ein  Thal  so  allmählich ­
  aufstieg,  wie  das  Drautlial,  sind  sie  bald  tief  in  das-
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.