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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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Boesler.

die  ,Redenden',  gewählt  im  Gegensätze  zu  den  fremdzüngigen
Völkern,  in  deren  Mitte  sie  nun  allerseits  eintraten,  kann  nicht
angezweifelt  werden.  Dagegen  ist  die  Bedeutung  des  Antennamens, ­
  der  Grund  einer  Doppelbenennung  überhaupt  und  der
Zusammenhang  zwischen  Slavenen  und  Anten  dunkel.  Im
sechsten  Jahrhundert,  als  längst  die  Aussendung  der  wandernden ­
  Leute  erfolgt  war,  werden  Anten  als  die  östlichen  Nachbarn ­
  der  Slavenen  bezeichnet,  und  ihre  Wohnsitze  über  dem
Pontus,  zwischen  Dnieper  und  Dniester  angesetzt.  Einige  Jahrhunderte ­
  später  aber,  ohne  dass  seither  welche  Verschiebung
der  Massen  stattgefunden  hätte,  nennt  ein  Schriftsteller  aus  dem
Dnieperlande  selbst,  also  auf  eigentlich  antischem  Boden,  alle
die  Völker  die  zu  seinem  Stamme  zählten,  Slavenen  und  belegt ­
  die  westlichen  Slaven,  also  die  Slovenen  der  früheren
Zeit,  mit  dem  besonderen  Namen  der  bis  dahin  nicht  vernommen
wird,  Lechen  Ljachen. 1  Prolcopios’  Anten  sind  also  bei  Nestor
Slovenen.  Und  so  ist  der  Name  Slovenen  noch  später  westlichen ­
  Slaven  eigenthümlich,  während  der  Name  Anten  ganz
erlischt.  So  scheint  denn  Zeuss  in  der  That  Recht  zu  haben,
wenn  er  meint 2 ,  ,dass  jede  der  zwei  grossen  Abtheilungen  sich
selbst  Slovenen  (die  Redenden,  sich  gegenseitig  Verständigenden)
nannte,  und  der  zweiten  durch  ihren  abweichenden  Dialekt  ihr
weniger  verständlichen  Völkerfamilie  einen  eigenen  Gesammtnamen
  gab'.  Schade  nur,  dass  der  Name  Anten  auf  slavischem
Sprachgebiete  bisher  keine  sichere  Erklärung  fand;  gewiss
aber  darf  man  ihn  nicht  nach  Dobrovskys  Vorgang  mit  dem
germanischen  Wendennamen  zusammenbringen.
Einige  der  Glieder  des  Volkes  haben  den  gemeinsamen
Namen  der  Slavenen  oder  Slovenen  wohl  schon  frühe  fallen
gelassen,  da  sie  in  beglaubigter  Zeit  denselben  nicht
führen,  so  die  Serben  (Sorabi)  der  Nordwestgruppe,  die  Serben
lateinischer  Mund  sich  gegen  den  Anlaut  a\  sträubt  und  ihn  durchwegs
nicht  duldet,  ja  seihst  im  Inlaut  ablehnt,  so  wurde  aus  Visla  Vislus,
Viscla,  Vistla,  Visculus  schon  bei  Plin.  (h.  n.  177).  So  auch  in  den  roman.
  Mundarten,  doch  ist  makedorom.  scllifure  wol  älter  als  suljiliur.  Lat.
Sclavus  wurde  it.  schiavo  Schiavone,  alb.  (geg.)  iskja  Bulgare,  skläf  Sklave.
1  Seine  Bedeutung  als  Bew'oliner  der  Ebenen  wird  durch  Röpell,  Gesch.
Polens  1,  30.  Anm.  24,  sehr  wahrscheinlich  gemacht.
2  S.  69,  604.
            
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