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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Zeitpunkt  der  slavisclien  Ansiedlung  an  der  unteren  Donau.

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Ueberall  auf  dem  bezeichneten  Raume,  wo  sieb  die  Slaven
niederliessen,  bildeten  sieb  bald  Benennungen  für  die  einzelnen
Tlieile  der  Nation  aus;  Flusseinschnitte,  Wälder,  Seen,  Berge,
Meeresnähe  wurden  die  Quelle  der  Namen;  häufig'  kam  dabei
Anlehnung  vor  an  die  Namen,  welche  man  für  die  Naturobjecte ­
  vorfand,  ebenso  häufig  Neubildung  oder  Uebertragung.
Ueberall  wird  der  Name  der  Bewohner  erst  später  zum  Gauund
  Landnamen.
Diese  geographische  Benennungsweise,  die  nächstliegende
aller  für  ein  Volk,  in  dem  die  politischen  Gewalten  noch  nicht
bedeutendes  Gewicht  ausiiben,  hat  wohl  schon  vor  der  Wanderung, ­
  im  Mutterlande  Platz  gegriffen  und  bei  der  Zähigkeit,
mit  der  sich  in  einfachen,  langsam  vorrückenden  Zuständen
Namen  erhalten,  kann  es  leicht  sein,  dass  die  Namen  für  die
Gaustämme  des  Mutterlandes,  welche  uns  Kaiser  Constantinos
im  10.  und  Mönch  Nestor  im  12.  Jahrhundert  überliefern,  schon
vor  der  Wanderung  an  derselben  Stätte  hafteten.
Da  werden  denn  genannt  die  Poljane,  d.  i.  Bewohner
der  Ebene  im  mittleren  Dniepertlial  um  Ivijew,  westlich  von
ihnen  in  den  weiten  Wäldern  die  Derewljanen  (AspßXev(voi),  die
Poloeane  dort,  wo  die  Polota  in  die  Düna  fällt,  um  Polock;
der  Grund  mancher  andern  Benennung  ist  nicht  so  klar,  denn
mancher  Wortstamm  ist  seither  verschollen  und  manche  Oertlichkeit,
  der  Grund  der  Benennung,  heute  nicht  mehr  bestimmbar. ­

Als  die  Slaven  hervorbrachen  aus  dem  Dnieperbecken,
dem  Centralboden  ihrer  altheimischen  Wohnsitze  —  zunächst
eine  neue  Gefahr  für  die  Cultur  der  abendländischen  und  den
Bestand  des  durch  die  Germanen  und  Hünen  schwer  erschütterten ­
  römischen  Reiches  —  da  nannten  sie  sich  insgesammt
nicht  mit  einem  der  Stammnamen,  welche  von  gewissen  Oertlichkeiten,
  von  Feld  und  Wald  und  Flüssen  den  Namen  trugen,
weil  diese  Theilbenennungen  für  die  wohl  aus  allen  Theilgebieten
  des  Mutterlandes  aufbrechenden  Massen  zur  allgemeinen
Bezeichnung  sich  nicht  eigneten,  sondern  mit  den  zwei  Namen
der  Slavenen  und  Anten. 1  Die  Bedeutung  des  ersteren  als

1  Procop.  de  b.  g.  3,  14.  S.  334,  336.  Die  Einschiebung  des  k  in  Sklavenen
statt  Slavenen  ist  nur  dem  Umstand  zuzuschreiben,  dass  griechischer  wie
            
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