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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Zeitpunkt  der  slavisclien  Ansiedlung  an  der  unteren  Donau.

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da,  gemäss  derselben  Stelle,  wo  der  Fluss  Ister  entspringt,
d.  h.  wo  der  Strom  den  Namen  Ister  zu  führen  beginnt,  während ­
  er  bis  dahin  Danuvius  hiess.  Wo  aber  lag  die  Grenze
für  diese  verschiedene  Namengebung?  Nach  Strabon  an  der
Katarakte 1  d.  i.  wohl  oberhalb  der  Katarakte,  denn  die
gesammte  Strecke  von  der  Savusmündung  bis  zum  Anfang  der
Katarakte,  etwa  bei  Novae  in  Obermoesicn,  war  einst  dakisch,
und  erst  weiter  aufwärts  begann  das  Gebiet  der  keltischen
Völker.  Dakisch  oder,  was  dasselbe  ist,  thrakisch  hiess  die
Donau  Ister,  keltisch  Danuvius;  wo  sich  das  Gebiet  der  beiden
Sprachstämme  einst  schied,  trat  der  Namenwechsel  ein.
Nach  der  zweiten  Stelle  des  Jordanis  2  fingen  die  Wohnsitze ­
  der  Slaven  zu  des  Schriftstellers  Zeit,  den  wir  uns,
als  er  dies  abfasste,  in  Constantinopel  zu  denken  haben,  also
an  einem  Orte,  wo  er  über  diese  ethnographische  Frage  gut
orientirt  sein  konnte,  bei  dem  lacus  Mursianus  und  einer  Stadt
an,  welche  nach  der  besten  Handschrift  Nova  oder  Novae
lautet.  Wo  nun  lag  die  Wasserfläche,  die  bald  Mursianiseher
Teich,  bald  See  genannt  ist?  Der  auf  den  Stadtnamen  Novi
folgende  räthselhafte  Zusatz  etumense  hat  der  Erklärung  die
grösste  Schwierigkeit  gemacht,  und  je  nach  deren  Entscheidung
wurde  der  Mursianische  See  bald  da,  bald  dort  angesetzt.
Th.  Menke  hat  sich  neuestens  für  das  heutige  Sistova  erklärt 3
und  setzt  darum  den  Mursianus  in  die  Walachei  nördlich  von
jenem.  Aber  man  muss  es  sehr  bezweifeln,  ob  geographische
Vorstellungen  über  die  grosse  Walachei,  die  selbst  in  der  Zeit
des  Besitzes  derselben  durch  die  Römer  ein  unbekannter  Boden
war,  im  sechsten  Jahrhundert  im  Umlaufe  waren,  so  dass  Jordanis ­
  davon  Gebrauch  machen  konnte.  Sodann  ist  die  Con-1

  S.  305.  Die  römische  Herrschaft  und  Colonisation  am  moesischen  Ufer  trug
dazu  vor  allem  hei,  dass  der  von  den  Römern  angenommene  Name  Danuvius
über  den  andern,  den  die  Griechen  vorzogen,  obsiegte.  Nach  Ptolemaeos
(3,  8,  3)  iin  2.  Jahrhundert,  führte  die  Donau  nur  mehr  von  Axiupolis
d.  i.  von  ungefähr  der  letzten  Nordwendung  des  Stromes  an  den  Namen
Istros.
2  Ausgabe  v.  Closs  S.  27.
3  Spruners  Handatlas  für  die  Geschichte  des  Mittelalters  und  der  neueren
Zeit.  3.  Aufl.  Er  schlägt  die  Lesung  vor  a  Civitate  nova  et  Utense  und
bestimmt  Civitas  nova  als  Sistova.
            
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