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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

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Bo  e  sler.

im  NW.  und  SO.  die  Donau  berühren  bei  Karnuntum  und  an
der  Katarakte  erscheint  der  Ring  noch  ungeschlossen.  Oder
reichten  die  Slaven  schon  damals  die  Donau  noch  weiter  aufwärts? ­
  Es  scheint  beinahe,  dass  sie  unter  Connivenz  der  Gepiden
  im  sirmischen  Theile  Unterpannoniens  bereits  sesshaft
zu  werden  anfingen,  ehe  noch  Jordanis  sein  wichtiges  Werk
beendet  hat.  Das  ist  vielleicht  551  oder  doch  gewiss  vor  555 1
geschehen.  Im  Kriege  mit  den  Langobarden  ist  zu  den  Gepiden
  slavisches  Hilfsvolk  gestossen 2 ,  die  Gepiden  haben  den
Slaven  hinwiederum  ihren  Schutz  angedeihen  lassen,  als  sie  von
einer  Raubfahrt  aus  Illyricum  lieimkehrten  und  das  römische
Heer  hinter  ihnen  her  war,  um  sie  für  die  Gewaltthat  zu  züchtigen. ­
  Gegen  ein  hohes  Fährgeld  Hessen  sie  die  fliehenden
Räuber  über  die  Donau. 3  Hier  muss  die  Vermuthung  entstehen,
dass  der  Rückzug  der  Slaven  auf  das  norddanuvinische  Gebiet
erfolgt  sei  auf  der  Strecke  zwischen  der  Savemündung  und
der  Katarakte,  denn  eben  da  grenzte  Gepidien  an  das  römische ­
  Reich  und  den  Strom,  alles  andere  Uferland  im  Norden
des  Stromes  oder  die  sogenannte  walachische  Uferseite  war  ja
ohnehin  slavisch,  und  sie  hätten  dort  weder  der  Erlaubniss
zum  Uebersetzen  bedurft,  noch  Gepiden  gefunden,  die  ihnen
Schutz  gewährten.  Wenn  die  Slaven  aber  eben  auf  dem  angedeuteten ­
  Stromgliede  sich  zum  Uebergange  anschickten,
müssen  sie  mit  den  Gepiden  auf  sehr  gutem  Fusse  gelebt
haben,  um  die  Erlaubniss  zum  Durchzug  bis  in  ihr  Land  von
denselben  mit  Beruhigung  erwarten  zu  können,  oder  sie  müssen
in  jener  Gegend  selbst,  unter  der  Oberherrschaft  der  Gepiden,
gewohnt  haben.  Für  die  letztere  Alternative  spricht  Jordanis,
wenn  nämlich  die  Erklärung  die  ich  von  dem  stagnus  Mursiauus
  gebe,  annehmbar  befunden  wird.  Der  stagnus  Mursianus
  erscheint  an  zwei  Stellen  dieses  Schriftstellers.  Einmal
wird  seine  Lage  dadurch  bestimmt,  dass  an  ihm  die  östliche
Grenze  Skythiens  beginnt; 1  die  Grenze  Skythiens  ist  aber  auch

1  Wattenbacli,  Deutschlands  Geschichtsquellen  im  Mittelalter,  S.  59.
-  Kropatschek,  De  Gepidarum  rebus.  Halae  1869,  S.  39.
3  Procop.  6.  g.  4,  24.
4  c.  5  (Closs  S.  22)  Seythia  siquidem  Germaniae  terrae  confinis  eotenus,
ubi  Hister  oritur  (orditur?)  anmis,  vel  stagnus  dilatatur  Morsiauus.
            
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