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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Zeitpunkt  der  slaviachen  Aneiedlnng  an  der  unteren  Donau.

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Die  Zersplitterung  dieser  in  tausende  von  gesellschaftlichen
Monaden,  die  aber  keine  prästabilirte  Harmonie  zusammenband
in  einen  kräftigen  Organismus,  die  Kindlichkeit  der  gesellschaftlichen ­
  Zustände,  die  überall  bestehen  blieben,  so  lange
nicht  äussere  Gewalten  sie  zerstörten  oder  sie  abzulegen
zwangen,  machte  die  Slaven  ungeeignet,  das  Schwert  gegen
das  Ausland  zu  kehren,  das  ihnen  voran  geeilt  war  in  politischer ­
  Entwicklung. 1  Uebrigens  haben  auch  später  die  Slaven
gern  fremder  Leitung  den  Anstoss  zu  erhöhter  Thätigkeit  verdankt; ­
  ihr  grösster  Staat  ruht  auf  den  Traditionen  einer  Disciplin,
  welche  nicht  im  Schosse  der  Nation  selbst  emporkam.
Zwischen  der  südlichen  karpatischen  und  der  nördlichen
baltischen  Landhöhe  breitet  sich  durch  die  ganze  Osthälfte  des
alten  Königreichs  Polen  eine  sumpfige  Niederung,  das  weitläufige ­
  Gebiet  des  Prypet,  der  zum  Dnieper,  fliesst  und  seiner
mächtigen  Nebenflüsse,  des  Styr,  Horyn,  Slucz  und  anderer.
Es  setzt  sich  westwärts  bei  ähnlicher  Beschaffenheit  des  Bodens
in  geringerer  Ausdehnung  am  Bug  und  Narew  fort.  Die  ganze
weite  Thalung  von  der  Weichsel  bis  zum  Dnieper  ist  auf
einem  Räume,  der  der  Hälfte  des  jetzigen  Königreichs  Preussen
gleichkommt,  noch  jetzt,  nachdem  die  Cultur  schon  vielen
Boden  urbar  gemacht  hat,  mit  dichtestem  Wald  bedeckt.  Die
Frühjahrsüberschwemmungen  schaffen  daraus  eine  undurchdringliche ­
  Wasserwüste,  wie  derengleichen  in  Europa  sich
nicht  wieder  findet.  Im  Norden  und  Süden  dieser  die  alten
Landschaften  Masowien  Podlachien  und  Podlesien  ausfüllenden
unwegsamen  Region,  an  den  sanften  Abhängen  der  hohem
Bodenschwellen  muss  die  westliche  Wanderung  der  Slaven  erfolgt ­
  sein.  Doch  sind  die  ersten  Scharen  derselben,  welche
längs  dieser  ostwestlichen  Eintiefungen  der  mittleren  Weichsel
und  des  Centrums  des  spätem  polnischen  Staates  vorbrachen,
kaum  zu  ruhigem  und  dauerndem  Wohnen  gelangt.  Die  Ausbreitung, ­
  welche  das  gothische  Volk  nach  Osten  zu  nehmen
aufing,  trat  den  Slaven  in  den  Weg  und  gestattete  ihnen  nicht,
1  Es  fehlt  nicht  an  alten  Zeugnissen  darüber,  so  bei  Mauric.  Strateg.  S.  21‘2
ä-a/.TOi  y.j.:  «vapyoi  toajiEp  kb.Xaßot,  8.  275  avap/a  ok  xai  [jiaäXl.rp.x  ovia
S.  275  ouok  Taftv  -pivtiaxouaiv  und  bei  Nestor  erklären  die  Slaven  selbst:
zemjla  nasa  velika  i  obilna,  a  narjada  v  nei  njet.
6*
            
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