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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Zeitpunkt  der  slavißchen  AnBiedlung  an  dev  unteren  Douan.

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Volk  war  so  binnenländisch  eingekeilt,  dass  Hellenen  wie
Römer  keinen  unmittelbaren  Verkehr  mit  ihnen  gewannen. 1
Wie  lange  es  schon  mit  den  Germanen  grenzte,  als  die  Römer
davon  Kunde  erlangten,  lässt  sich  nicht  sagen;  kaum  haben
die  älteren  Stammsitze  bis  an  die  mittlere  Weichsel  gereicht,
wo  sie  den  Gothen  nahe  traten.  Jedenfalls  liegt  der  Raum,
den  sie  als  ihr  Gebiet  zu  allen  Zeiten  inne  hatten  weiter  ostwärts, ­
  seine  Mitte  bilden  die  Ufer  des  oberen  und  mittleren
Dnieper,  südwärts  reichte  es  gewiss  nicht  weiter  als  bis  an
die  bekannten  Stromschwellen  (Porogi)  in  ihm.  Im  Norden  von
dem  Niemen  bis  zur  Dünamündung  hatten  sie  noch  im  ersten  Jahrhundert ­
  unserer  Zeitrechnung  die  Familie  der  Aisten  wie  sie  der
Germane  nannte,  oder  die  Prusi  nach  slavischer  Bezeichnung,
zu  Nachbarn,  deren  äusserste  Glieder,  die  Galinder  und  Sudinen,
bis  an  die  Pregel  (Pregora)  reichten 2 ,  weiter  nördlich  grenzten
sie  mit  den  Liven  und  Esten  von  finnischem  Stamme.  Mit  dem
anderen  Zweige  der  Aistenfamilie,  den  Litauern,  berührten  sie
sich  an  der  BeVezina,  der  oberen  Düna  (Dwina)  und  am  Prypet.
Gegen  Nordosten  wurden  sie  umrahmt  von  den  finnischen  Wes
am  weissen  See,  von  den  Merja  an  der  oberen  Wolga  und
den  Muroma  am  Zusammenfluss  der  Oka  und  Wolga.  Sie
insgesammt  nannte  der  Slave  Tschuden,  vielleicht,  die  Fremden
Seltsamen.  Eine  Linie  von  den  letzteren  quer  an  den  Dnieper
bis  unterhalb  Kijews  vervollständigt  die  Ostgrenze,  nirgends
erstreckten  sich  die  Sitze  damals  bis  in  das  Gebiet  des  Don,
die  Grenze  Europas,  an  dem  wenigstens  schon  seit  dem  ersten
Jahrhundert  türkische  Völker  ihren  Wohnraum  hatten.  Längs
der  ganzen  Südgrenze  im  baumlosen  Gebiet  der  pontischen
Steppe,  vom  Spiegel  des  unruhigen  Binnenmeers  bis  zum
Granitplateau,  welches  die  wasserreichen  Flüsse  in  Stromschnellen ­
  durchbrechen,  hausten  wieder  Nomaden,  bis  tief  in

1  Ich  bemerke  nur  beiläufig,  dass  ich  die  hielier  gehörigen  Arbeiten  von
A.  Sembera,  Z&padni  Slovanö  v  praveku,  Wien  1868  und  Ueber  die  Lage
der  Wohnstätten  des  h.  Severinus  in  Nieder-Öesterreieh,  Wien  1871  wol
kenne,  sie  aber  zu  denjenigen  zähle,  welche  von  Zeit  zu  Zeit  entstehen,
um  deu  Forscher  bei  der  ernsten  Arbeit  aufzuheitern.
2  Zeuss  271.  K.  Möllenhoff,  über  das  Sarmatien  des  Ptolemaeus.  Monatsberichte ­
  der  Berliner  Akad.  der  Wissenseh.  1866.  1,  2.  Röpell,  Geschichte
Polens  1,  22.
            
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