Skip to main content Jump to sidebar

Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

78

Roes!  er.

sicher  zu  stellen.  Es  fragt  sich  nämlich,  oh  die  Spaloi  des
Pliilius  und  die  Spali  des  späteren  Jordanes  1  in  der  That  die
Sporoi  des  Prokopios  sind,  der  diesen  Namen  ausdrücklich  als
alte  Gesammtbezeichnung  aufführt,  die  sich  die  Slaven  einst
selbst  gaben. 2  So  bestechend  die  Zusammenstellung  anfangs
wirkt,  so  sind  es  doch  mächtige  Einwendungen,  die  gegen  sie
können  geltend  gemacht  wei’den.  Die  Erklärung  von  Spali,
Sporoi  aus  einem  den  slavischen  Sprachen  geläufigen  Stamme,
welche  die  Bedeutung  Stammgenosse,  Mitbruder  ergäbe,  muss
dagegen  für  sehr  beifallswürdig  gelten. 3
Im  ersten  Jahrhundert  den  Römern  bekannt  geworden,
ist  der  Name  aber  bei  seinem  Volke  im  6.  Jahrhundert  wieder
zu  den  Todten  gelegt.  Längere  Dauer  als  dieser  behauptet
derjenige,  welchen  die  Germanen  und  zuerst  die  nächsten  westlichen ­
  Nachbarn,  Gothen  und  Skiren,  dem  Volke  verliehen:
Venedi  Veneti  Venadi  Winidae  OüsvsSai.  Ihn  aufzufassen  als  die
Weidenden  oder  Bewohner  der  grossen  Weide  d.  i.  des  Flachlands,
welches  inmitten  Osteuropas  grosse  Räume  erfüllt,  hat  von  allen
Deutungen  am  wenigsten  bedenkliches.  Im  deutschen  Volke  ist
er  auch  nach  späterer  Bekanntschaft  mit  dem  jüngern  Nationalnamen ­
  (Slaven)  nicht  erstorben,  die  Sprache  der  Wissenschaft
hat  sich  der  ,Wenden'  entschlagen,  der  Ungelehrte  wenigstens
bei  denjenigen  Stämmen  nicht,  die  als  Nachkommen  und  Verwandte ­
  des  Gothenvolkes  gelten.  Der  baierische  Volksstamm
in  Steiermark  und  Kärnten  nennt  die  Slaven  noch  jetzt  beharrlich ­
  Winden,  Windische.  Aber  auch  im  nordwestlichen
Deutschland  lebt  der  Wendenname  als  Gesammtbenennung  wie
in  Ortsnamen  fort. 1
Der  den  Slaven  selbst  fremde  Wendenname  bürgt  dafür,
dass  die  Nachrichten  über  die  Slaven  von  den  Germanen  ausgingen. ­
  Plinius,  Tacitus  (um  100  n.  Chr.)  Marinos  von  Tyros,
Ptolemaeos  schöpfen  wesentlich  aus  derselben  Quelle.  Das

1  De  reb.  get.  c.  4-  (ed.  Clogs  S.  21).
2  B.  goth.  3,  14.
3  Zeugs,  die  Deutschen  und  die  Nachbarstämme  58,  67.  Vgl.  auch  Cuno,
Forschungen  im  Gebiete  der  alten  Völkerkunde  I.  229,  290,  295  und
meine  Beurtheilung  des  Werkes  in  der  Zeitschr.  für  d.  östorr.  Gymn.  1872.
4  Herrn.  Guthe,  die  Lande  Braunschweig  und  Hannover.  Hannover  1867.
S.  616  ff.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.