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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Ueber  den  Einfluss  der  Tonlehre  auf  Herbart's  Philosophie.

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bart’s  Tonlehre  nur  eine  umgekehrte  und  zwar  ,grosse'  Secunde
  ist,  noch  milder  als  diese  und  an  der  Grenze  der
Dissonanzen  stehend.  Die  beiden  letzten  ästhetischen  Willensverhältnisse ­
  dürften  daher  ohne  Anstand  in  directer
Reihenfolge  der  grossen  und  kleinen  Secunde  parallell  gedacht
werden.
Endlich  ist  es  vielleicht  nicht  zufällig,  dass  die  härteste
musikalische  Dissonanz,  die  falsche  Quinte,  nach  Herbart  in
der  Mitte  der  Octave  (dicht  neben  der  reinen),  das  ,hässlichste'
aller  Verhältnisse,  das  ,Uebelwollen'  (a.  a.  O.  S.  43),  gerade
,an  der  Grenze'  des  Uebergangs  von  einem  zu  mehreren  Vernunftwesen
  (dicht  neben  dem  Wohlwollen)  liegen  soll.
Mit  Ausnahme  der  Quarte  und  einer  der  beiden  Terzen,
von  denen  die  kleine  bis  an’s  Ende  des  Mittelalters  als  Dissonanz ­
  angesehen  wurde  (Helmh.  a.  a.  0.  S.  345),  finden  sich
in  der  Reihe  der  einfachen  ästhetischen  Willensverhältnisse
Parallelen  für  jedes  der  einfachen  Tonintervalle  der  Herbart’-schen
  Tonlehre  wieder.  Dem  der  Idee  der  Vollkommenheit  zu
Grunde  liegenden  Verhältnis  entspricht  die  Octave,  jenem
der  innern  Freiheit  die  grosse  Terz,  jenem  des  Wohlwollens
die  reine  (ihrem  Gegen  theil,  dem  Uebelwollen,  die  falsche)
Quinte,  dem  Verhältnis  des  Streits,  auf  welchem  die  Rechtsidee, ­
  und  jenem  der  unvergoltenen  Tliat,  auf  welchem  die  Idee
der  billigen  Vergeltung  aufgebaut  ist,  die  kleine  und  die  grosse
Secunde  (grosse  und  kleine  Septime).  Als  Seitenstücke  zur
falschen  Quinte  dürften  die  falsche  Octave  und  die  der  Secunde
sehr  nahestehende,  ,der  Störung  durch  den  Grundton  noch
merklich  ausgesetzte'  (Helmh.  S.  289),  an  Zahl  der  Dissonanz
verursachenden  Schwebungen  (6)  alle  übrigen  für  consonirend
geltenden  Intervalle  übertreffende  (a.  a.  0.  281)  kleine  Terz  l ,
wie  jene  dem  Uebelwollen,  so  diese  etwa  der  Unvollkommenheit
und  innern  Unfreiheit  analog  angenommen  werden,  wenn  es  hier

1  Dass  die  kleine  Terz  enger  als  ein  Viertel  der  Octave,  ja  enger  als  die
übermässige  Secunde  sei,  sagt  Herbart  selbst  (Psych.  Bemerk.  VII  S.  19.).
            
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