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Full text : Sitzungsberichte / Akademie der Wissenschaften in Wien, Philosophisch-Historische Klasse Sitzungsberichte der Philosophisch-Historischen Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften, Wien, 73. Band, (Jahrgang 1873)

Uel)er  den  Einfluss  der  Tonlelire  auf  Herbart's  Philosophie.

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dachte  eigene  Wollen.  Der  Grad  des  Gegensatzes  zwischen
den  Gliedern  hat  sich  bei  dem  dritten  Verhältnisse  gesteigert
gegen  das  erste.
Das  erste  und  das  dritte  Verhältniss  haben  das  miteinander ­
  gemein,  dass  ihre  Glieder  untereinander  ,heterogen',  ein
,Wollen'  und  ein  ,Vorstellen'  sind.  In  diesem  Betracht  sind
beide  von  dem  zweiten  verschieden,  bei  welchem  nach  Obigem
beide  Glieder  ,Strebungen',  also  homogen  sind.  Qualitativ
findet  sonach  in  diesem  Fall  zwischen  den  Gliedern  nicht  nur
nicht  der  geringste  Grad  des  Gegensatzes,  sondern  überhaupt
gar  kein  Gegensatz  statt.  Beide  wären  eines  und  dasselbe  und  es
verschwände  jedes  ästhetische  Verhältniss  zwischen  ihnen,  wenn
sie  nicht  quantitativ,  d.  h.  der  ,Grösse  nach'  verschieden
wären.  Hier  aber  tritt  weiter  kein  gradweiser,  sondern  sogleich
der  volle  Gegensatz  ein,  indem  beide  ,Strebungen'  sich  ,aneinander ­
  messen',  die  eine  nothwendig  die  stärkere,  die  andere
die  schwächere  sein  muss.  Wären  sie  beide  gleich  stark,  so
wären  sie  ebensowenig  quantitativ,  wie  nach  Obigem  qualitativ
verschieden,  in  jeder  Hinsicht  identisch,  und  ein  ästhetisches
Verhältniss  zwischen  ihnen  bestünde  nicht  mehr.
Wir  werden  an  das  Intervall  des  vollen  Gegensatzes,  die
Octave,  sowie  durch  die  steigenden  Gegensatzgrade  des  ersten
und  dritten  Verhältnisses,  an  die  gleichfalls  im  Steigen  begriffenen ­
  Gegensätze  der  harmonischen  Intervalle  der  Terz,
Quarte  und  Quinte  erinnert.  Die  (logische)  Gleichheit  der
Glieder  weicht  in  dem  Masse  zurück,  als  deren  (logischer)
Gegensatz  wächst;  metaphysischer  Gegensatz  ist,  da  alles  im
nämlichen  ,Vernunftwesen'  beisammen  ist,  noch  keiner  vorhanden. ­

An  der  zweiten  Gruppe  ästhetischer  Willensverhältnisse
taucht  dieser  zuerst  empor  zwischen  den  beiden  ,Vernunftwesen', ­
  deren  wirkliche  Wollen  mit  und  zueinander  in  ein
Verhältniss  treten;  zugleich  aber  ist  die  logische  Gleichheit
beider  Vernunftwesen  so  gross,  dass  die  beiden  Verhältnissglieder
  fast  nicht  zu  unterscheiden  sind.  Das  Du,  das  dem  Ich
gegenübersteht,  ist  in  jeder  Beziehung  demselben  völlig  gleichartig, ­
  ein  Wesen  ,seines  Gleichen',  so  dass  man  jedes  an  die
Stelle  des  andern  setzen  könnte,  ohne  dass  das  Verhältniss
beider  dadurch  eine  Aenderung  erführe.  Letzteres  selbst
            
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